Stay@home: Produktiv in Jogginghose I

Nachdem ich in meinem letzten Beitrag darüber nachgedacht habe, wie schwer es mir fällt, im Home-Office produktiv zu sein und dass ich Angst davor habe, alles, was ich mir in den letzten Monaten vor Corona als Arbeitsroutinen erarbeitet habe, zu verlieren, fasste ich einen Plan. Warum nicht die Chance nutzen und lernen, auch zu Hause mit all den verlockenden Ablenkungen (Netflix., Aufräumen, Schlafen, …) produktiv zu sein? Dieses Projekt nenne ich: Produktiv in Jogginghose

Der erste Tag des Projekts: Produktiv in Jogginghose

Mir geht es bei diesem Projekt einzig um meinen Arbeitsprozess und nicht darum, meine Noten zu verbessern. Ich fing also an, mir zu überlegen, warum ich zu Hause nicht so gut arbeiten kann wie in der Bibliothek. Zum einen ist da die Verlockung, einfach im Bett liegen zu bleiben und den ganzen Tag Serien zu schauen. Aber das allein schien mir nicht das Problem zu sein. Denn auch alle Ablenkung verliert irgendwann ihren Reiz. Und trotzdem konnte ich mich nicht aufraffen. Ich saß am Schreibtisch vor meinen Uni-Unterlagen und starrte sie einfach nur an, in der irrwitzigen Hoffnung, dass sich die Arbeit doch vielleicht von selbst erledigt. (Tat sie natürlich nicht, wäre ja auch zu schön gewesen) Daraufhin überlegte ich mir, was anders ist. Welches Gefühl hatte ich beim Lernen in der Uni? Und welches Gefühl habe ich zu Hause? Und dann wurde mir klar, dass das Lernen in der Uni für mich gleichzusetzen ist mit dem Gefühl, wenn ich zur Arbeit gehe. Und eine Sache trage ich nie bei der Arbeit und das ist meine Jogginghose. So blöd das auch klingen mag, aber diese Jogginghose verhinderte bei mir, dass sich eine Arbeitshaltung entwickelte. Die einfache Lösung wäre gewesen, mir morgens eine Jeans anzuziehen. Aber das war nicht mein Ziel. Ich hatte ja den Plan, an meinem Prozess und meiner Einstellung zu arbeiten. Und somit versuche ich jetzt seit 2 Wochen, meine Jogginghose in eine Arbeitsjogginghose zu verwandeln – eine Achterbahn der Gefühle und Produktivität, um es vorwegzunehmen.

Ein kleiner Einblick in meine Fortschritte


Am Anfang funktionierte mein Plan noch recht gut: ich setzte mir nur kleine Ziele (100 Wörter-Methode und so). So konnte ich die ersten drei Tage meine Produktivität in Jogginghose steigern. Ich freute mich über meinen Fortschritt und hoffte, dass das so weitergehen würde. Aber dann kamen wieder die Tage, an denen ich am Schreibtisch saß und mich einfach nicht aufraffen konnte. Stattdessen gingen meine Jogginghose und ich wieder ins Bett und schauten frustriert irgendwelche belanglosen Serien. Doch ich gab nicht auf und setzte mich schon aus Trotz immer wieder an meinen Schreibtisch, bis wieder die Tage kamen, an denen ich motiviert und produktiv war. Ich weiß, dass es bei der Arbeit an einem Prozess zu Rückschlägen kommt. Aber ich lasse mich davon nicht unterkriegen und wenn wieder so Tage kommen, an denen ich mich und meine Jogginghose einfach nicht motivieren kann, dann ist das okay, denn am nächsten Tag kann es schon wieder ganz anders sein.

Freizeitgestaltung in Zeiten von Social Distancing

Es ist Juni und damit sind wir seit drei Monaten im Social Distancing. Eigentlich standen viele Feiern, Festivals und lange geplante Treffen mit Freunden in meinem Kalender. Aber nichts davon konnte oder kann stattfinden. Clubbesuche, Grillabende o.ä. sind in Zeiten von Social Distancing kaum möglich. Und die Frage, die sich mir immer wieder stellt: Was mache ich denn mit meiner freien Zeit, wenn ich all das nicht machen kann?

(Ja natürlich, ich könnte die Zeit für die Uni und die Arbeit nutzen, aber wer arbeitet schon 24/7?). Also machte ich mir das Prinzip otium und negotium (da zahlt sich das Lateinstudium endlich mal aus) zunutze. Negotium, damit meinten die Römer alle Verpflichtungen und Aufgaben, die man so hatte – in meinem Fall Uni, Arbeit, … . Was mein negotium ist, war damit recht schnell klar. Aber otium ( =freie Zeit) war da schon ein wenig schwieriger. Mein erster Gedanke war: Mehr Zeit für Netflix und Co. (immerhin habe ich noch so viele Serien in meiner Watchlist!) Habe ich dann auch versucht, aber ich fühlte mich damit unwohl und niedergeschlagen. So wollte ich mein otium nicht verbringen. Otium bedeutet nämlich nicht einfach nur freie Zeit, sondern auch Reflexion und auch Schreiben von literarischen Werken. (Ja, reiche Römer haben das in ihrer Freizeit gemacht :D) Aber zum Glück bin ich kein römischer Senator und muss nicht den Anspruch an mich stellen, einen Klassiker der Weltliteratur zu schreiben.

Stattdessen überlegte ich also, was ich neben Netflix und Aktivitäten mit Freunden noch gerne gemacht habe. Die Antwort fand ich in meinem Bullet Journal.

1) Lesen

Wegen des vielen Lesens im Studium hatte ich keine Motivation, auch noch meine Freizeit damit zu verbringen, obwohl ich früher stundenlang mit einem Buch in der Sonne sitzen und dabei die Welt um mich herum vergessen konnte. Doch monatelang stand auf meiner Reading List nur ein einsames Buch, bei dem ich nur noch 20 Seiten lesen musste, es aber nicht tat. Ich las also die letzten 20 Seiten und fing direkt das nächste Buch an. Dann das nächste, …

2) Kreativ werden

Neben der Reading List mit dem einsamen Buch fand ich in meinem Bullet Journal eine weitere Seite, der ich kaum Beachtung geschenkt habe: Meine Kreativprojekte!

Ich fing also an zu nähen. Zunächst nähte ich Masken, um wieder reinzukommen, bis meine Familie mit ausreichend Masken versorgt war. Dann nähte ich meinem Journal eine Hülle und bin nun dabei, ein passendes Stiftetui zu nähen.

Kleines Handlettering-Projekt

Außerdem übe ich mich im Handlettering und Zeichnen. Die Ergebnisse sind noch nicht perfekt, aber es macht mich glücklich, wenn ich am Ende ein Ergebnis habe. Außerdem fange ich nun ein Book Journal an, in dem ich sowohl meine persönlichen Book Reviews festhalten als auch meiner Kreativität freien Lauf lassen kann.

3) Videochats mit Freunden

Auch wenn wir uns nicht persönlich als große Gruppe treffen können, können wir uns online sehen. Und ich muss feststellen, dass das viel günstiger ist, als beispielsweise ein Clubbesuch. (Das Resultat und die Konsequenzen am Morgen bleiben allerdings die gleichen.) Jedoch möchte ich keine Sekunde missen, die ich mit meinen Freunden verbringen kann, auch wenn mir der persönliche Kontakt schon sehr fehlt. Ich versuche also, so viele Aktivitäten wie möglich mit meinen Freunden online möglich zu machen, sei es nun ein Buddy Read oder auch Spielabende, die Hauptsache ist, dass ich Zeit mit ihnen habe.

Das sind meine TOP 3 der Freizeitgestaltung. Ich kann mich entspannen und kann für kurze Zeit vergessen, dass dieses Jahr alles irgendwie anders läuft, als geplant. Es macht mir Spaß zu sehen, wenn ich mich in einem Kreativbereich verbessere. Und das Beste daran, mich kreativ auszuleben: Ich halte am Ende des Tages ein Ergebnis in der Hand, anders als beim Lesen und Schreiben meiner Unitexte. Ich freue mich, in fremde Welten eintauchen zu können und die Geschichten in den Büchern zu erleben. Diese Dinge geben mir ein gutes Gefühl. Sie lassen mich nicht verzweifeln und sind eine schöne Belohnung, die ich mir gönne, wenn ich meine Unisachen oder andere Verpflichtungen erledigt habe.

Freizeitgestaltung ist etwas Individuelles, etwas Subjektives. Doch ich habe gemerkt, dass ich glücklicher und zufriedener bin, wenn ich in meiner Freizeit etwas mache, worin ich mich verbessern kann und/oder ich einen Fortschritt sehe. Dinge, die mir helfen, mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben. Und das sollte das Ziel von otium sein. Zeit für sich, die man so verbringt, dass es einen glücklich macht. Ob das jetzt Lesen, Malen oder Sport sind, das ist jedem selbst überlassen.

Stay@home, Tag 12649739 oder so ähnlich; Maren

Lange Zeit habe ich nichts mehr geschrieben. Am Anfang dachte ich noch, ich könnte jede Woche einen Blogpost schreiben, schließlich habe ich ja Zeit. Anfänglich habe ich mir auch viele Gedanken über neue Routinen gemacht, die auch für einige Zeit funktioniert haben, aber je mehr Tage verstrichen, desto weniger funktionierten diese. Jeder Tag glich dem anderen, jeder Tag brachte mich tiefer in die Frustration und Eintönigkeit. Auch die Videochats mit Freunden und die Pen & Paper- Runden wurden immer weniger. Was sollte man sich auch erzählen, wenn keiner etwas erlebt oder zu berichten hat, was man nicht schon gefühlt 50 Mal erörtert hat? Und so plätscherte die Zeit dahin. Der März ging in den April über. Der April in den Mai… und jetzt… Mit erschrecken musste ich feststellen, dass schon bald Juni ist. Nichts von dem, was ich mir für die Uni vorgenommen habe, ist fertig. Meine anfängliche Motivation ist weg, stattdessen überlege ich mir jeden Tag, ob es sich überhaupt lohnt, aufzustehen. Meine Jeans hatte ich seit Wochen nur noch an, wenn ich dann doch mal zum Einkaufen fahre, oder ich die eingeschränkten Kontakte mit einer Freundin genieße. Dann schlage ich den angesetzten Staub von der Jeans und komme mir plötzlich vor wie der Mensch, der ich vor einer gefühlten Ewigkeit war. Wie kann es sein, dass ein so einfaches Kleidungsstück wie die Hose einen solchen Unterschied machen kann? Warum kann ich nicht auch in Jogginghose produktiv sein? Oder schließen sich Jogginghose und Motivation zur Produktivität einfach aus?

Die Tage plätschern so vor sich hin und ich finde einfach keine Struktur. Wenn ich nicht zwischendurch arbeiten müsste oder die wöchentlichen LiLiGoesMental-Meetings nicht wären, wüsste ich nicht einmal, welcher Wochentag überhaupt ist. Vom Datum oder der Jahreszahl ganz zu schweigen. Als ich mich dazu entschied, zu Hause zu bleiben, dachte ich noch, dass es sich dabei um eine absehbare Zeitspanne halten würde. Ich rechnete mit ein bis zwei Monaten. Mittlerweile kann ich mir kaum noch vorstellen, wie mein Leben vorher war. Ich erinnere mich vage daran, dass ich mal ein Leben außerhalb des Hauses hatte. Und ich kann mir noch viel weniger vorstellen, wie mein Leben wieder sein wird, wenn ich das Haus wieder verlassen und mein altes Leben wieder aufnehmen kann, oder besser gesagt soll. Werde ich dann eine andere sein? Muss ich mir alles, was ich mir in den Monaten und Jahren vor Corona erarbeitet habe, neu erarbeiten? Ich möchte nicht wieder zurück zu meinem alten Ich, dass Angst hatte, zur Uni zu gehen. Ich möchte nicht wieder zurück zu meinem alten Ich, dass aus Angst vor dem Versagen nicht einmal angefangen hat, ihre Uniaufgaben zu erledigen. Und doch habe ich das Gefühl, dass der Kampf, den ich tagtäglich mit mir selbst gefochten habe, völlig umsonst war, und mich das alles um Monate, wenn nicht sogar Jahre zurückgeworfen hat.

Das will ich nicht! Ich will meine Fortschritte nicht aufgeben! Und so werde ich den Kampf aufnehmen und dafür sorgen, dass meine Jogginghose und meine Motivation und Produktivität sich nicht ausschließen! Ich werde berichten, wie sich dieses Vorhaben entwickelt. Immerhin habe ich es schon geschafft, wieder einen Blogpost zu schreiben. Das ist schon ein Schritt in die richtige Richtung, denn immerhin bin ich produktiv und motiviert, während ich meine Jogginghose trage 🙂

Stay@home, Woche 2: Maren

Die zweite Woche in meiner selbst gewählten Quarantäne ist nun fast vorbei. Es scheint, als würde die Zeit still stehen, aber sie tut es nicht. Anfang der Woche dann die allgemeine Kontaktsperre. Auch wenn ich bereits eine Woche ohne persönliche Kontakte hinter mir hatte ohne das Gefühl, eingeschränkt zu sein, machte mir diese verordnete Kontaktsperre Angst. Was genau bedeutet das nun? Wie lange wird das Ganze noch andauern? Werde ich die nächsten Wochen und Monate meine Freunde nicht sehen können? Was ist mit den Festivals und Märkten, die anstehen? Gefühlt ist das Jahr 2020 jetzt schon gelaufen, bevor es überhaupt richtig angefangen hat. Auch die Uni geht in den Notbetrieb. Am liebsten würde ich mich den ganzen Tag ins Bett legen, mir die Decke über den Kopf ziehen und in eine Schockstarre verfallen, bis alles vorbei ist. Aber die Welt steht nicht still, und so kann auch meine eigene Welt nicht still stehen. Ich brauche neue Routinen, um mir selbst das Gefühl zu geben, in einer Zeit der Unsicherheit wenigstens ein wenig die Kontrolle zu behalten. Wenigstens mein eigenes Leben weiter bestimmen zu können und mich nicht eingeschränkt zu fühlen. Und ja, auch wenn das alles gleich sehr positiv klingt, das Etablieren neuer Routinen braucht Zeit. Und natürlich gab es Fehlschläge und es wird sie immer geben. Aber das stört mich nicht. Stattdessen lerne ich aus diesen „Fehlschlägen“ und akzeptiere sie. Denn wenn etwas einmal nicht so funktioniert, wie es funktionieren sollte, wollte mein Unterbewusstsein mir wahrscheinlich mitteilen, dass ich an diesem Tag einfach Ruhe und Zeit brauchte. Und wenn ich den ganzen Tag mit meiner Lieblingsserie verbringe oder meine Kutte für die Festivals nähe, dann ist das gut so, weil es für mich gut ist. Ich brauche dann kein schlechtes Gewissen haben, weil ich nicht an meiner Hausarbeit geschrieben habe. Ich habe etwas für mich und mein Wohlergehen getan und das ist viel wichtiger, als weitere 200 Wörter, die am Ende noch großer Blödsinn sind.

Wie in meinem letzten Beitrag versprochen, schreibe ich heute etwas zu meinen neuen Routinen, die mir diese Woche weitestgehend geholfen haben.

Routine 1: Keinen Wecker stellen

Wecker und ich waren noch nie die besten Freunde. Wir führen eher eine Hassliebe. Mein bester Freund ist die Snooze-Taste, die im Halbschlaf gedrückt einem noch fünf Minuten gewährt. Dieses Spiel wiederholt sich des Morgens zwischen 5 und 25 Mal. Der Wecker setzt mich unter Druck, die Snooze-Taste vermittelt das Gefühl von trügerischer Sicherheit. Dennoch brauche ich den Wecker, wenn ich Termine habe. Ich habe derzeit aber vormittags keine Termine, also warum sollte ich mich dann von einem Wecker unter Druck setzen lassen? Und siehe da, ich schaffe es, früher aufzustehen, als ich dachte. Vielleicht sollte ich immer auf den Wecker verzichten?

Routine 2: Morgenroutine

Wie oft habe ich dieses Wort in der letzten Zeit auf den verschiedensten Social-Media-Kanälen gelesen… Und jedes Mal, wenn ich mir dann anschaue, was andere Seiten mir empfehlen, wird mir das Gefühl vermittelt, dass meine Routine falsch ist. Ich starte nicht jeden Tag mit einem Lächeln, stattdessen laufe ich morgenmuffelig durch die Wohnung auf der Suche nach Kaffee. Ich fange nicht mit einem guten und gesunden Frühstück an, stattdessen setze ich mich mit meinem Kaffee auf den Balkon und versuche, auf mein Leben klarzukommen. Nach dem Frühstück, in meinem Fall Kaffee, mache ich keinen Sport. Stattdessen mache ich mein Bett, das ist schon Kraftakt genug, wenn man es ordentlich macht. Danach noch das Zimmer aufräumen und ab ins Bad, um mich für den Tag zurecht zu machen. Und ich stelle fest: Eine richtige Hose und ein bisschen Make-up helfen mir, mich auf die Arbeit vorzubereiten. Anschließend mache ich mir jeden Morgen das gleiche Lied an, um mich auf die Arbeit einzustimmen(Carry on Wayward Son ist einfach ein guter Song, den kann ich nicht oft genug hören). Während das Lied läuft, richte ich mein Home Office ein, schreibe mir die Aufgaben in mein Journal (und hole mir meistens noch einen Kaffee, denn ganz wach bin ich noch nicht). Dann noch ein bisschen durch das Zimmer tanzen, wenn mir danach ist, und schon kann der Tag losgehen.

Routine 3: Kleine Ziele setzen

Jeder von uns kennt das: Nach der Morgenroutine sitzen wir am Schreibtisch und wollen voller Tatendrang an unseren Aufgaben arbeiten. Und… Joa… Da sitzt man nun am Schreibtisch… Joa… Hmm… Vielleicht sollte ich noch einmal die Mails checken? … Wie zu erwarten, nichts Neues… Okay… Jetzt fange ich an zu arbeiten… Ich starre nicht einfach nur die leere Seite an… Ich bin jetzt produktiv… Okay… Aber jetzt… Grillenzirpen…

Anstatt des erwünschten Schreibflusses habe ich am Ende gar nichts geschafft und fühle mich einfach nur mies. Ich habe also angefangen, mir ganz, ganz kleine Ziele zu setzen. Statt darauf zu hoffen, dass ich 4000 Wörter am Stück schreibe, schreibe ich lieber nur 100-200 Wörter. Oder ich nehme mir vor, ein Kapitel zu lesen anstelle des gesamten Buches. So generiere ich für mich viel schneller und einfacher Erfolgserlebnisse, die ich abhaken kann. Und je kleiner das Tagesziel, desto schneller kann ich es erreichen und mich wieder meiner Serie oder meiner Kutte widmen.

Und nun zu meinen Fehlschlägen:

Es war eindeutig nicht meine beste Idee, als ich versuchte, mich am Dienstag mit nur einer Folge und nur einem Patch zu belohnen, bevor ich überhaupt angefangen hatte, etwas zu tun. Am Ende hatte ich erfolgreich 5 Patches auf meiner Kutte und die halbe Staffel meiner Serie durch. Immerhin habe ich notgedrungen noch Wäsche gewaschen, aber für die Uni habe ich am Ende des Tages nichts gemacht. Aber das ist für mich vollkommen okay. Ich habe daraus gelernt, wie wichtig mir meine persönliche Morgenroutine ist. Und ich habe gelernt, dass sich Kutten nur mit Blut, Schweiß und Tränen am besten nähen lassen. Die Erkenntnisse haben gereicht, um kein schlechtes Gewissen zu haben 🙂

Mal schauen, ob diese Routinen mir nächste Woche auch noch helfen, oder ob ich da andere brauche. Ich werde euch berichten 🙂

Bis dahin, bleibt gesund 🙂

Maren

Stay@home, Woche 1: Maren

Seit einer Woche herrscht das Chaos… Uni dicht. Geschäfte schließen. Überall hört, liest und sieht man Meldungen über Corona. Vor zwei, drei Wochen noch hat sich kaum einer von uns Gedanken darüber gemacht. „Wird schon nicht schlimmer sein als die alljährliche Grippewelle.“ Diesen Gedanken hatte auch ich. Und dann kamen die Meldungen über die Schul-und Universitätsschließungen letzte Woche Freitag.

Ich hatte tausende Fragen in meinen Kopf: Wie mache ich das jetzt mit meiner Hausarbeit? Kann ich die überhaupt vernünftig schreiben? Wie sieht das aus mit den Veranstaltungen im nächsten Semester? Fragen über Fragen und ich habe bis heute keine Antwort. Diese Unsicherheit machte und macht mir Angst. „Aber immerhin“, so dachte ich, „kann ich noch arbeiten gehen. Dann ist wenigstens das Geld gesichert. Die Sachen mit der Uni werden sich schon nach und nach klären.“ Und dann kam der Sonntag. Die Landesregierung NRW beschloss, dass ab Dienstag auch alle anderen Bildungseinrichtungen vorerst schließen müssen. Für mich, die in einem Nachhilfeinstitut arbeitet, eine Katastrophe. Ohne Nachhilfe kein Geld. Wie soll ich über die nächsten Monate kommen, wenn ich kein Geld verdienen kann? Die Unsicherheit und die Panik, die mich über das Wochenende überkam, erreichte ihren Höhepunkt. Wie soll ich das die nächsten Wochen schaffen? Darf ich meine Eltern und meine Großmutter überhaupt noch sehen? Wie viel Sozialkontakt ist möglich? Kann ich mein gesamtes Leben vollkommen umkrempeln? Nicht mehr nach draußen gehen? Nicht mehr zur Uni? Nicht mehr arbeiten?

Ich entschied mich, dass ich die nächsten Wochen primär bei meinem Partner verbringen werde. Ich, allein in meiner Wohnung, kam für mich nicht infrage. Ich habe zu viel Angst davor, dass mich die soziale Isolation in ein tiefes Loch fallen lässt, aus dem ich nur mit Mühe wieder herauskomme. Also packte ich meinen Koffer.

Seit Dienstag bin ich nun in meiner selbst auferlegten Quarantäne. Nicht für mich, sondern um andere zu schützen. Und ich musste schauen, wie ich mich in meiner jetzigen Situation zurecht finde.

Step 1) Home Office einrichten

Da ich jetzt nicht mehr in der Uni arbeiten kann, brauchte ich also ein Home Office. Ein kleiner Tisch, alle Bücher drauf, Laptop, Tablet und sonstiges Equipment wie Headset und Webcam, Stifte und Papier und schon kann es los gehen. Und der Vorteil am Home Office: Ich kann an den Büchern sitzen und trotzdem Kaffee trinken. Diesen Luxus habe ich in der Bibliothek nicht. Warum wollte ich eigentlich immer in der Bibliothek lernen? Um die Ablenkung zu vermeiden – ja Netflix und Co. sind spannend – habe ich angefangen, meine produktive Phase immer mit ein und demselben Lied einzuläuten.

Step 2) Kommunikationswege schaffen

Ich hatte vor kaum einer Sache mehr Angst als vor der sozialen Isolation. Also wollte ich über die verschiedensten Kanäle erreichbar sein Ich glaube, ich hatte noch nie so viele Kanäle zur Interaktion wie jetzt und bin derzeit noch völlig überfordert, wie viele Möglichkeiten einem das Internet eigentlich bietet. Und muss auch noch lernen, wie ich damit am besten umgehe, dass ich nicht von meiner eigentlichen Arbeit abgelenkt werde 😀

Step 3) Neue Routinen.

Ich bin ein Mensch, der ganz viele Routinen braucht. Bricht bei mir eine Routine weg, stehe ich da wie Bambi, das von einem Auto mit Fernlicht angestrahlt wird. Ich weiß weder vor noch zurück und verfalle in Schockstarre. Jetzt sind alle meine Routinen auf einmal weggebrochen und ich würde mich am liebsten in meinem Bett verkriechen. Schockstarre erscheint mir in dieser Situation aber kein gangbarer Weg, also blieb mir nur der Angriff. Ich fange also gerade an, neue Routinen zu etablieren.

Step 4) Ziele und To-do-Listen

Ich persönlich bin ein großer Freund des Bullet Journalings. Ohne meinen kleinen Helfer ginge in meinem Leben gar nichts. Und gerade für die jetzige Situation ist mein kleiner Freund der Helfer in der Not. Jeden Abend lege ich mir meine To-do’s und Ziele für den nächsten Tag fest und seien sie noch so klein. Wenn ich sonst fast eine Seite pro Tag an To-do’s erledigen musste, sind es jetzt weniger. Die Hauptsache ist, dass ich was zu tun habe. Übrigens steht jetzt in meiner To-do-Liste auch so etwas wie Serie schauen, warum auch nicht, ich habe Zeit 🙂

Step 5) Die Chance der Zeit erkennen

Wie lange habe ich viele Dinge aufgeschoben, weil ich keine Zeit dafür hatte. Es kam immer was wichtigeres dazwischen. Aber jetzt habe ich auf einmal ganz viel Zeit, die ich auch für schöne Dinge nutzen kann. Ich habe also eine Liste angelegt: „Endlich Zeit für…“ Ich machte mir Gedanken, was ich schon lange machen wollte, und schrieb das auf. Siehe da, auf einmal standen da an die zehn Kreativprojekte, für die ich einfach nie die Zeit und Ruhe hatte. Und jeden Tag kommen mir neue Dinge in den Sinn. Also langweilen werde ich mich in den nächsten Wochen bestimmt nicht.

Um das alles einzurichten und mir zu überlegen, wie ich die nächste Zeit überstehe, habe ich jetzt ungefähr eine Woche gebraucht. Jetzt muss ich noch schauen, wie das alles funktioniert und welche Routinen ich etablieren muss und werde, damit das funktioniert. Ich halte euch auf dem Laufenden und werde nächste Woche meine neuen Routinen – und meine Fehlschläge – mit euch teilen.

Bis dahin, bleibt gesund und stay@home!

Maren