Wie es ist…Depressionen

Hallo Welt da draußen!

Manchmal frage ich mich, was wohl Außenstehende Personen über Depression denken. Vielleicht so etwas wie: Dann ist man doch traurig, oder?

Klar, Depressionen können traurig machen. Aber es ist nicht das Hauptsymptom dieser Erkrankung. Es hat so eine Bandbreite an Auswirkungen auf den Körper und den Geist und somit auf das tägliche Leben, dass das Gesamtbild einen wohl traurig macht.

Was genau bedeutet Depression für den Betroffenen dann? Ich kann hier meine Empfindungen beschreiben und interessanterweise weiß ich durch Gespräche, dass es anderen Betroffenen in vielen Punkten ebenso ergeht.

Wenn ich an meine Depression denke, dann fallen mir dazu meine Gedanken ein. Ich bin mit Freunden unterwegs. Auf einer Party vielleicht oder im Park.

Ich fühle mich außen vor. Als würden mich alle angucken und auf mich zeigen. Als würden alle über mich denken: Was will die denn hier? In Wirklichkeit lächeln die Anderen mich vielleicht an oder halten sich zurück, da ich still bin. Aber ich kann nicht anders als still sein, denn ich habe Angst. Angst vor diesen Gefühlen falsch zu sein. Ich fühle mich klein und möchte mich verstecken.

Wenn ich an meine Depression denke, fällt mir der Sport ein. Ich bin beim Fitness in der Uni und es macht Spaß. Und irgendwas triggert mich. Vielleicht der Song, der mich an eine Situation erinnert, oder eine Person im Raum. Es ist wie ein Schalter und plötzlich wird die Welt langsam. Meine Lunge zieht sich zusammen. Es kommt keine Luft hinein. Meine Glieder sind aus Blei. Ich muss stehen bleiben und atmen, um nicht erdrückt zu werden und lauthals loszuheulen. Ich kann nicht mehr. Die Gefühle der Angst und Hilflosigkeit übermannen mich.

Wenn ich an meine Depression denke, kommt mir der Morgen in den Sinn. Meist wache ich mit Schmerzen auf. Im Rücken oder im Kopf. Ich fühle mich erschlagen. Als hätte ich die Nacht durchgemacht, anstatt zu schlafen. Warum aufstehen, wenn man nur Schmerzen hat? Wie soll man morgens aufstehen, wenn die eigenen Hobbys einem keinen Spaß mehr machen? Wie soll man aufstehen, wenn man keine Nähe mehr zu seinem Partner oder Freunden fühlen kann? Wie soll man aufstehen mit dem Gefühl ungenügend zu sein? Warum aufstehen, wenn einen nichts erwartet?

Wenn ich an Depression denke, dann fällt mir dieses eine Gefühl ein. Als wäre mein Körper unfassbar schwer. Jede Bewegung ist ermüdend und anstrengend. So als würde ich einen Druck auf mir spüren wie beim Tauchen, als wäre ich am Boden eines tiefen Meeres mit kilometerweiten dunklem Wasser über mir. Kalt und drückend.

Ihr merkt die Gefühle, die meine Depression auslöst, und die Situationen sind vielfältig und es fallen mir noch so viele mehr ein. Man sollte nicht vergessen, dass Depression eine psychische Erkrankung ist, die sehr komplex wird. Auf geistiger und emotionaler Ebene kann sie so viele Einflüsse haben. Und der Körper leidet immer mit. Erdrückende Gedanken und Emotionen sind ein unfassbarer Stress für den Körper und daher ist es kein Wunder Probleme mit dem Rücken zu bekommen, dem Magen, dem Kopf oder sogar schwerere Krankheiten. Viele Betroffene, die ich kenne, haben auch körperliche Beschwerden. Und geht es einem körperlich schlecht, wirkt es auch auf die Psyche.

Depressionen sind erdrückend und ein schwieriges Thema, aber solltest du jemanden mit Depressionen kennen habe nicht nur Mitleid. Versuche auch weitere Aspekte an der Person zu sehen, die diese ausmacht, denn da werden reichlich sein. Ein Mensch mit Depressionen ist unfassbar stark, mutig und geduldig. Stark, diese schweren Gefühle und andauernden Schmerz auszuhalten und diese unfassbar schwierigen Themen, die einem begegnen, anzugehen. Jede Situation im Alltag kann eine Herausforderung darstellen, denn sie kann einen auf eine Art treffen, wie sie es ohne Depression nicht tun würde. Diese Herausforderungen anzugehen ist mutig und bedarf viel Geduld.  Wenn Erkrankte ihre Lage verändern wollen, müssen sie sich selbst verändern. Und das funktioniert mit Übung, gefühlt ewig lang und ewig oft.

Die Depression, finde ich, birgt neben all dem Leid etwas sehr Wichtiges. Wenn ich einen langen, produktiven Tag hatte und es mir abends anfängt schlecht zu gehen, weist sie mich darauf hin einen Gang runterzuschalten und mir und meinem Körper Gutes zu tun. Im diesem Sinne ist die Depression wie ein Aufpasser für mich. Sie zeigt mir meine Grenzen und erinnert mich daran auf mich Acht zu geben.

Solltest du an Depression erkrankt sein, denke daran, egal wie wütend und verzweifelt man wegen der Situation sein mag, die Depression bietet immer das Potential zu wachsen. Es bietet dir die Möglichkeit dich mit dir zu befassen und dich näher kennen zu lernen. Sie hilft dir über den Horizont hinauszuschauen und zu erfahren ganz du selbst zu sein. Du wirst dich lieben lernen und Reichtum in deinem Leben finden, den du vorher nicht wahrnehmen konntest. Deine persönliche Weiterentwicklung wird zwangsläufig zum Thema Nummer eins und was gibt es Schöneres als sich die Erlaubnis zu geben ganz für sich da zu sein und sich um sich selbst zu kümmern.

Meine Depression hat mir gezeigt, dass es so viel Unentdecktes in meinem Leben gibt, worauf ich mich freue dem zu begegnen. Meine Depression hat mich für mich achtsam gemacht und ich bin mit Dankbarkeit gefüllt die Möglichkeit zu haben mich wieder zu finden. Ich bin stark und mutig und geduldig. Ich trage Liebe in mir, für mich und meine Umwelt. Ich trage Schmerz, ich trage Heilung und ich bin mir absolut sicher alles in mir zu tragen, was ich benötige, um zu wachsen und wieder aus dem Herzen lachen zu können. Und ich bin mir absolut sicher, dass jedes Wesen auf dieser Erde und damit jeder Mensch dieses Potential und diese Fülle in sich trägt. Jeder von uns kann diese finden, auch wenn manchmal Hilfe von Nöten ist. Wenn du also an Depressionen erkrankt bist lass dir sagen: Ich glaube an dich und wünsche dir noch alles Gute auf deinem weiteren Weg. Bleib mutig und stark. Vertraue auf dein Innerstes und darauf wer du bist. Vertraue darauf was kommt.

Rock on & Namaste´

Wie es ist… einen Suizid zu überleben

Triggerwarnung!!

***Bitte lies diesen Artikel nur, wenn du dich stabil fühlst. Falls du selbst Hilfe brauchst, wende dich bitte an die Telefonseelsorge (Tel.: 0800 1 11 01 11 oder 0800 1 11 02 22) oder schau in unseren Hilfsangeboten nach passenden Anlaufstellen.***

Ich schreibe diesen Artikel sieben Jahre nach meinem versuchten Suizid. Es war mein erster Versuch und mein einziger. Früher hätte ich nicht darüber schreiben können: Es wäre zu früh gewesen, die Narben zu offen. Ich kann mich nicht an das genaue Datum erinnern, ich feiere keinen zweiten Geburtstag und denke an den Tag auch nicht in spezieller Weise. Ich muss sogar nachrechnen, um diese wirren Erinnerungen überhaupt zeitlich einordnen zu können. Meine Mutter hingegen könnte den genauen Tag wahrscheinlich mit Uhrzeit benennen.

Damals kam ich aus meinem Auslandsjahr zurück. Ich hatte meinen ersten richtigen Freund in Irland gefunden und führte ein traumhaftes Leben zwischen Wochenenden an der Küste und Arbeitsleben in der Stadt. Ich hatte Freunde, war jung und lebte den Traum vieler Menschen. Nicht im Traum hätte jemand gedacht, dass es mir schlecht gehen könnte. Ich war eine gut gelaunte, aktive junge Frau, der die Welt offen stand. Dennoch war ich schon im Ausland stark depressiv. Ich habe mich von mir entfremdet gefühlt und mein Leben und das, was ich tat, fast permanent versucht „objektiv“ zu beurteilen um zu merken, wie toll mein Leben doch gerade ist. Aber gefühlt habe ich das alles nicht. Was ist ein perfektes Leben schon wert, wenn man es nicht fühlt? Irgendwann sendete mir mein Körper so starke Signale, dass ich zurück nach Deutschland musste. Verstanden hatte ich das damals natürlich nicht. Meine Beziehung hat das nicht überlebt und ich war gestrandet in Deutschland. Ich wollte hier nicht sein, ich wollte mein Leben in Irland nicht aufgeben. Ich wollte, dass alles anders wäre. Ich wies mich selbst in die Psychiatrie ein, weil ich starke Suizidgedanken hatte. Dort wurde ich für 10 Wochen aufgenommen, gebracht hat es mir zu diesem Zeitpunkt wenig. Dennoch konnte ich ein Jahr lang wieder bei meinen Eltern einziehen und habe es irgendwie überstanden. Es war der erste notwendige Schritt in einer Reihe von notwendigen Interventionen. Fast genau ein Jahr später sagte ich mir: “Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr.” Ich fühlte mich unglaublich losgelöst vom Leben. Da war nur noch Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit und Leere. Da war nichts anderes. Keine Freude, keine Hoffnung auf Besserung, keine Emotionen außer Schmerz. Und das für eine ganze Weile.

Ohne auf genaue Umstände einzugehen kann ich sagen, dass ich irgendwann mit dem Leben abgeschlossen hatte. Ganz ernsthaft. Das war es für mich gewesen. Ich gehörte nicht in diese Welt. Es war beinahe ein rationaler Entschluss, da ich ja nichts mehr fühlte. Ich nahm mir das Leben. Und wachte fünf Tage später auf der Intensivstation wieder auf.

Ich war genauso taub wie vorher. Ich habe mich weder gefreut noch geärgert, dass ich aufgewacht war. Vermutlich war ich aber auch stark medikamentös behandelt worden. Ich kam daraufhin auf eine halb-geschlossene psychiatrische Station. Für neun Monate. Meinen 22. Geburtstag feierte ich auf Station. Für viele Monate hielt ich „gute Tage“ in meinem Tagebuch fest. Ein guter Tag definierte sich dadurch, dass ich nicht zumindest an die Option dachte es nochmal zu versuchen. Mehr konnte ich vom Leben zu dem Zeitpunkt nicht erwarten. Und selbst diese Tage waren rar. Es war ein reiner Überlebenskampf. Ich war so jung und erlebte nichts von der Schönheit der Jugend. Jung ist nicht gleich gesund.

Danach ging es übergangslos in eine stationäre medizinische Rehabilitation. Ich wohnte mit anderen psychisch Erkrankten in einer Art WG und hatte noch psychologische Interventionen und ein Rahmenprogramm. Wieder neun Monate. Als Übergang war das eine gute Sache, anders hätte ich es nicht geschafft. Dennoch erinnere ich mich nicht gerne daran zurück. Insgesamt lebte ich zwei Jahre meines Lebens in psychiatrischen Einrichtungen. Ein ganz schön langer Zeitraum im Rückblick. Das macht was mit dem Selbstverständnis und vor allem mit dem Selbstwert. Ich wusste nicht mehr wie es sich anfühlt Teil der Gesellschaft zu sein.

Nach der medizinischen Reha zog ich nach Bielefeld. Dort erhielt ich noch ambulante Wohnbetreuung und habe mehrere Therapien gemacht. Ich war arbeitsunfähig und zwei Jahre lang nur zuhause. Ich hatte kein Leben. Ich hatte weder die Fähigkeit mich zu konzentrieren, noch konnte ich Menschen gut aushalten. Die meiste Zeit ging es mir richtig schlecht. Und es dauerte bestimmt zwei Jahre, bis ich wirklich sicher sagen konnte, dass ich über einen Suizid nicht erneut nachdenken würde. Leider werde ich es nie versprechen können. Damals war es eine Entscheidung, die ich in genau derselben Situation wiedertreffen würde. Damals schien es eine absolut logische Konsequenz der aktuellen Umstände zu sein. Das klingt absurd und fürchterlich, aber es machte in meinem Kopf tatsächlich Sinn. Heute ist es selbst für mich erschreckend, dass es soweit kommen konnte.

Als ich mich so stabilisiert hatte, dass ich zumindest drei Stunden am Tag arbeitsfähig war, konnte ich eine berufliche Rehabilitation anfangen. Diese ging wieder neun Monate. Sie war aber nur tagsüber und ich konnte normal zuhause weiterwohnen. Es waren wirklich eine Menge Jahre, die ich mich nur mit meinem Wiederaufbau beschäftigt habe. Mein Suizid war der absolute Nullpunkt meines Lebens. Tiefer werde ich nie fallen können. Das ist in manchen Situationen heute ein beruhigender Gedanke, dass ich das hinter mir habe. Natürlich habe ich Angst zu fallen, aber ich kenne den Abgrund immerhin wie meine Westentasche. Der Abgrund ist mein zweites Wohnzimmer.

Heute kann ich sagen, dass ich es zutiefst bereue. Immer an meinem Geburtstag stelle ich mir kurz vor, wie es für meine Angehörigen wäre, wenn es mich jetzt nicht mehr gäbe. Immer an meinem Geburtstag weine ich deshalb zumindest kurz und fühle mich schuldig. Es schmerzt, daran zu denken, dass ich wirklich keinen anderen Ausweg gesehen habe. Es schmerzt auch, daran zu denken, wie einsam ich mich gefühlt habe, obwohl ich es nicht war. Das alles hätte verhindert werden können, wenn nicht in den Jahren zuvor ganz viel ganz falsch gelaufen wäre. Wenn ich rechtzeitig gehört worden wäre, wenn ich mir rechtzeitig Hilfe gesucht hätte oder mir rechtzeitig Hilfe angeboten worden wäre. Alle waren blind, inklusive mir.

Die für mich schmerzhafteste Erinnerung von allen ist die an meinen großen Bruder. Er hatte mich besucht, als ich schon den Entschluss gefasst hatte zu gehen. Ich wusste, das wäre unser letztes Treffen, aber er war ahnungslos und liebenswert. Das bricht mir bis heute das Herz. Es ist einfach ein wahnsinniger Schmerz der bleibt. Der Schmerz, den ich meinen Angehörigen angetan habe und der eigene Schmerz. Dennoch sind diese vielen dunklen Jahre nun Teil meiner Lebensgeschichte. Und ich finde es wichtig, diese Geschichte zu erzählen.

Ich schreibe über das Thema, weil ich es extrem wichtig finde, es ins Bewusstsein zu rufen. Nur weil Suizide nicht im öffentlichen Diskurs stattfinden, finden sie faktisch trotzdem statt. Und es kann als Angehörige jede/n treffen. Ich bin nun wirklich nicht die Einzige, die so eine Geschichte erzählen kann. Laut Statistischem Bundesamt sterben in Deutschland pro Tag über 25 Menschen durch Suizid. Und das erfasst nur die erfolgreich verübten. Diejenigen wie ich, die überleben, sind nicht in der Statistik erfasst. Warum wird da nicht mehr drüber geredet? Nur so könnten wir auch adäquat und vorurteilsfrei in Krisensituationen reagieren. Überforderung durch Unwissenheit ist keine gute Helferin.

Nachdem ich den ersten Entwurf dieses Berichts mit dem Rest des LiliGoesMental Teams geteilt hatte, wurde ich gefragt was sich an meiner Lebenseinstellung zu damals verändert hat. Ich glaube entscheidend für meinen Fall damals war der Verlust der Hoffnung. Als die Hoffnung auf Besserung, die Hoffnung auf Freude, die Hoffnung auf ein gutes Leben (was auch immer das für jede/n Einzelne/n bedeutet) verschwunden war, war mein Lebenswille verschwunden. Das ist der größte Unterschied zu heute: Durch die vielen Jahre habe ich gelernt, dass sich etwas verändern kann. Das waren Mini-Schritte und selten waren Veränderungen richtig greifbar, aber letztendlich kann ich wieder hoffen, auch wenn es mir schlecht geht. Ich habe viele positive Dinge sowohl in den Kliniken als auch außerhalb erlebt, die ich mir nicht mal hätte vorstellen können. Ich habe viel Menschlichkeit, Verständnis und Unterstützung erfahren. Was meine Krankenkasse finanziell in mich investiert hat werde ich vermutlich auf Lebenszeit nicht wieder einbringen können. Ich war überrascht, wie viele professionelle Hilfen es gibt. All das hat zum einen mein Selbstbild verändert aber auch meine Fähigkeit zu hoffen gestärkt.

Bisher wusste nur eine Hand voll Menschen diese Dinge über mich. Das ist ja nun auch kein Smalltalk-Thema. Viele überfordert es natürlich auch ganz berechtigter Weise. Die Gelegenheit meine fundamentalsten Erlebnisse zu teilen finde ich nur sehr selten. Aber verstecken möchte ich mich deshalb nicht. Sie haben mich geprägt und machen mich aus. Gerade im Unikontext finde ich es wichtig, sich die Realität anzuschauen. Auch hier gibt es Suizidfälle. Die Blase der Perfektion und des Leistungsdrucks darf nicht auf ewig die bestimmende Größe bleiben. Es gibt wichtigere Dinge im Leben.

Ich bin mir bewusst, dass dieses Thema polarisieren kann. Auch, dass manche eventuell der Ansicht sind, dass darüber nicht so offen gesprochen werden sollte. Falls es Anregungen oder Kritik gibt, meldet euch gerne bei uns.

Stay@home: Produktiv in Jogginghose I

Nachdem ich in meinem letzten Beitrag darüber nachgedacht habe, wie schwer es mir fällt, im Home-Office produktiv zu sein und dass ich Angst davor habe, alles, was ich mir in den letzten Monaten vor Corona als Arbeitsroutinen erarbeitet habe, zu verlieren, fasste ich einen Plan. Warum nicht die Chance nutzen und lernen, auch zu Hause mit all den verlockenden Ablenkungen (Netflix., Aufräumen, Schlafen, …) produktiv zu sein? Dieses Projekt nenne ich: Produktiv in Jogginghose

Der erste Tag des Projekts: Produktiv in Jogginghose

Mir geht es bei diesem Projekt einzig um meinen Arbeitsprozess und nicht darum, meine Noten zu verbessern. Ich fing also an, mir zu überlegen, warum ich zu Hause nicht so gut arbeiten kann wie in der Bibliothek. Zum einen ist da die Verlockung, einfach im Bett liegen zu bleiben und den ganzen Tag Serien zu schauen. Aber das allein schien mir nicht das Problem zu sein. Denn auch alle Ablenkung verliert irgendwann ihren Reiz. Und trotzdem konnte ich mich nicht aufraffen. Ich saß am Schreibtisch vor meinen Uni-Unterlagen und starrte sie einfach nur an, in der irrwitzigen Hoffnung, dass sich die Arbeit doch vielleicht von selbst erledigt. (Tat sie natürlich nicht, wäre ja auch zu schön gewesen) Daraufhin überlegte ich mir, was anders ist. Welches Gefühl hatte ich beim Lernen in der Uni? Und welches Gefühl habe ich zu Hause? Und dann wurde mir klar, dass das Lernen in der Uni für mich gleichzusetzen ist mit dem Gefühl, wenn ich zur Arbeit gehe. Und eine Sache trage ich nie bei der Arbeit und das ist meine Jogginghose. So blöd das auch klingen mag, aber diese Jogginghose verhinderte bei mir, dass sich eine Arbeitshaltung entwickelte. Die einfache Lösung wäre gewesen, mir morgens eine Jeans anzuziehen. Aber das war nicht mein Ziel. Ich hatte ja den Plan, an meinem Prozess und meiner Einstellung zu arbeiten. Und somit versuche ich jetzt seit 2 Wochen, meine Jogginghose in eine Arbeitsjogginghose zu verwandeln – eine Achterbahn der Gefühle und Produktivität, um es vorwegzunehmen.

Ein kleiner Einblick in meine Fortschritte


Am Anfang funktionierte mein Plan noch recht gut: ich setzte mir nur kleine Ziele (100 Wörter-Methode und so). So konnte ich die ersten drei Tage meine Produktivität in Jogginghose steigern. Ich freute mich über meinen Fortschritt und hoffte, dass das so weitergehen würde. Aber dann kamen wieder die Tage, an denen ich am Schreibtisch saß und mich einfach nicht aufraffen konnte. Stattdessen gingen meine Jogginghose und ich wieder ins Bett und schauten frustriert irgendwelche belanglosen Serien. Doch ich gab nicht auf und setzte mich schon aus Trotz immer wieder an meinen Schreibtisch, bis wieder die Tage kamen, an denen ich motiviert und produktiv war. Ich weiß, dass es bei der Arbeit an einem Prozess zu Rückschlägen kommt. Aber ich lasse mich davon nicht unterkriegen und wenn wieder so Tage kommen, an denen ich mich und meine Jogginghose einfach nicht motivieren kann, dann ist das okay, denn am nächsten Tag kann es schon wieder ganz anders sein.

Freizeitgestaltung in Zeiten von Social Distancing

Es ist Juni und damit sind wir seit drei Monaten im Social Distancing. Eigentlich standen viele Feiern, Festivals und lange geplante Treffen mit Freunden in meinem Kalender. Aber nichts davon konnte oder kann stattfinden. Clubbesuche, Grillabende o.ä. sind in Zeiten von Social Distancing kaum möglich. Und die Frage, die sich mir immer wieder stellt: Was mache ich denn mit meiner freien Zeit, wenn ich all das nicht machen kann?

(Ja natürlich, ich könnte die Zeit für die Uni und die Arbeit nutzen, aber wer arbeitet schon 24/7?). Also machte ich mir das Prinzip otium und negotium (da zahlt sich das Lateinstudium endlich mal aus) zunutze. Negotium, damit meinten die Römer alle Verpflichtungen und Aufgaben, die man so hatte – in meinem Fall Uni, Arbeit, … . Was mein negotium ist, war damit recht schnell klar. Aber otium ( =freie Zeit) war da schon ein wenig schwieriger. Mein erster Gedanke war: Mehr Zeit für Netflix und Co. (immerhin habe ich noch so viele Serien in meiner Watchlist!) Habe ich dann auch versucht, aber ich fühlte mich damit unwohl und niedergeschlagen. So wollte ich mein otium nicht verbringen. Otium bedeutet nämlich nicht einfach nur freie Zeit, sondern auch Reflexion und auch Schreiben von literarischen Werken. (Ja, reiche Römer haben das in ihrer Freizeit gemacht :D) Aber zum Glück bin ich kein römischer Senator und muss nicht den Anspruch an mich stellen, einen Klassiker der Weltliteratur zu schreiben.

Stattdessen überlegte ich also, was ich neben Netflix und Aktivitäten mit Freunden noch gerne gemacht habe. Die Antwort fand ich in meinem Bullet Journal.

1) Lesen

Wegen des vielen Lesens im Studium hatte ich keine Motivation, auch noch meine Freizeit damit zu verbringen, obwohl ich früher stundenlang mit einem Buch in der Sonne sitzen und dabei die Welt um mich herum vergessen konnte. Doch monatelang stand auf meiner Reading List nur ein einsames Buch, bei dem ich nur noch 20 Seiten lesen musste, es aber nicht tat. Ich las also die letzten 20 Seiten und fing direkt das nächste Buch an. Dann das nächste, …

2) Kreativ werden

Neben der Reading List mit dem einsamen Buch fand ich in meinem Bullet Journal eine weitere Seite, der ich kaum Beachtung geschenkt habe: Meine Kreativprojekte!

Ich fing also an zu nähen. Zunächst nähte ich Masken, um wieder reinzukommen, bis meine Familie mit ausreichend Masken versorgt war. Dann nähte ich meinem Journal eine Hülle und bin nun dabei, ein passendes Stiftetui zu nähen.

Kleines Handlettering-Projekt

Außerdem übe ich mich im Handlettering und Zeichnen. Die Ergebnisse sind noch nicht perfekt, aber es macht mich glücklich, wenn ich am Ende ein Ergebnis habe. Außerdem fange ich nun ein Book Journal an, in dem ich sowohl meine persönlichen Book Reviews festhalten als auch meiner Kreativität freien Lauf lassen kann.

3) Videochats mit Freunden

Auch wenn wir uns nicht persönlich als große Gruppe treffen können, können wir uns online sehen. Und ich muss feststellen, dass das viel günstiger ist, als beispielsweise ein Clubbesuch. (Das Resultat und die Konsequenzen am Morgen bleiben allerdings die gleichen.) Jedoch möchte ich keine Sekunde missen, die ich mit meinen Freunden verbringen kann, auch wenn mir der persönliche Kontakt schon sehr fehlt. Ich versuche also, so viele Aktivitäten wie möglich mit meinen Freunden online möglich zu machen, sei es nun ein Buddy Read oder auch Spielabende, die Hauptsache ist, dass ich Zeit mit ihnen habe.

Das sind meine TOP 3 der Freizeitgestaltung. Ich kann mich entspannen und kann für kurze Zeit vergessen, dass dieses Jahr alles irgendwie anders läuft, als geplant. Es macht mir Spaß zu sehen, wenn ich mich in einem Kreativbereich verbessere. Und das Beste daran, mich kreativ auszuleben: Ich halte am Ende des Tages ein Ergebnis in der Hand, anders als beim Lesen und Schreiben meiner Unitexte. Ich freue mich, in fremde Welten eintauchen zu können und die Geschichten in den Büchern zu erleben. Diese Dinge geben mir ein gutes Gefühl. Sie lassen mich nicht verzweifeln und sind eine schöne Belohnung, die ich mir gönne, wenn ich meine Unisachen oder andere Verpflichtungen erledigt habe.

Freizeitgestaltung ist etwas Individuelles, etwas Subjektives. Doch ich habe gemerkt, dass ich glücklicher und zufriedener bin, wenn ich in meiner Freizeit etwas mache, worin ich mich verbessern kann und/oder ich einen Fortschritt sehe. Dinge, die mir helfen, mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben. Und das sollte das Ziel von otium sein. Zeit für sich, die man so verbringt, dass es einen glücklich macht. Ob das jetzt Lesen, Malen oder Sport sind, das ist jedem selbst überlassen.

Stay@home, Tag 12649739 oder so ähnlich; Maren

Lange Zeit habe ich nichts mehr geschrieben. Am Anfang dachte ich noch, ich könnte jede Woche einen Blogpost schreiben, schließlich habe ich ja Zeit. Anfänglich habe ich mir auch viele Gedanken über neue Routinen gemacht, die auch für einige Zeit funktioniert haben, aber je mehr Tage verstrichen, desto weniger funktionierten diese. Jeder Tag glich dem anderen, jeder Tag brachte mich tiefer in die Frustration und Eintönigkeit. Auch die Videochats mit Freunden und die Pen & Paper- Runden wurden immer weniger. Was sollte man sich auch erzählen, wenn keiner etwas erlebt oder zu berichten hat, was man nicht schon gefühlt 50 Mal erörtert hat? Und so plätscherte die Zeit dahin. Der März ging in den April über. Der April in den Mai… und jetzt… Mit erschrecken musste ich feststellen, dass schon bald Juni ist. Nichts von dem, was ich mir für die Uni vorgenommen habe, ist fertig. Meine anfängliche Motivation ist weg, stattdessen überlege ich mir jeden Tag, ob es sich überhaupt lohnt, aufzustehen. Meine Jeans hatte ich seit Wochen nur noch an, wenn ich dann doch mal zum Einkaufen fahre, oder ich die eingeschränkten Kontakte mit einer Freundin genieße. Dann schlage ich den angesetzten Staub von der Jeans und komme mir plötzlich vor wie der Mensch, der ich vor einer gefühlten Ewigkeit war. Wie kann es sein, dass ein so einfaches Kleidungsstück wie die Hose einen solchen Unterschied machen kann? Warum kann ich nicht auch in Jogginghose produktiv sein? Oder schließen sich Jogginghose und Motivation zur Produktivität einfach aus?

Die Tage plätschern so vor sich hin und ich finde einfach keine Struktur. Wenn ich nicht zwischendurch arbeiten müsste oder die wöchentlichen LiLiGoesMental-Meetings nicht wären, wüsste ich nicht einmal, welcher Wochentag überhaupt ist. Vom Datum oder der Jahreszahl ganz zu schweigen. Als ich mich dazu entschied, zu Hause zu bleiben, dachte ich noch, dass es sich dabei um eine absehbare Zeitspanne halten würde. Ich rechnete mit ein bis zwei Monaten. Mittlerweile kann ich mir kaum noch vorstellen, wie mein Leben vorher war. Ich erinnere mich vage daran, dass ich mal ein Leben außerhalb des Hauses hatte. Und ich kann mir noch viel weniger vorstellen, wie mein Leben wieder sein wird, wenn ich das Haus wieder verlassen und mein altes Leben wieder aufnehmen kann, oder besser gesagt soll. Werde ich dann eine andere sein? Muss ich mir alles, was ich mir in den Monaten und Jahren vor Corona erarbeitet habe, neu erarbeiten? Ich möchte nicht wieder zurück zu meinem alten Ich, dass Angst hatte, zur Uni zu gehen. Ich möchte nicht wieder zurück zu meinem alten Ich, dass aus Angst vor dem Versagen nicht einmal angefangen hat, ihre Uniaufgaben zu erledigen. Und doch habe ich das Gefühl, dass der Kampf, den ich tagtäglich mit mir selbst gefochten habe, völlig umsonst war, und mich das alles um Monate, wenn nicht sogar Jahre zurückgeworfen hat.

Das will ich nicht! Ich will meine Fortschritte nicht aufgeben! Und so werde ich den Kampf aufnehmen und dafür sorgen, dass meine Jogginghose und meine Motivation und Produktivität sich nicht ausschließen! Ich werde berichten, wie sich dieses Vorhaben entwickelt. Immerhin habe ich es schon geschafft, wieder einen Blogpost zu schreiben. Das ist schon ein Schritt in die richtige Richtung, denn immerhin bin ich produktiv und motiviert, während ich meine Jogginghose trage 🙂

Wie es ist… während Corona auch noch depressiv zu sein

Ich bin einer der Menschen, denen das Leben nicht zufliegt. Alltag bedeutet für mich auch jenseits von Corona schon Anstrengung: Mich selbst zu motivieren, Termine wahrzunehmen, für mich und andere zuverlässig sein, kochen, Haushalt machen, einkaufen, Sport treiben… Das sind für mich alles Aufgaben und all das bedeutet Anstrengung. Manches davon ist schön, und trotzdem anstrengend. Mich mit Freunden zu treffen (sofern vorhanden) ist anstrengend. Gut und wichtig und wertvoll, aber anstrengend. Mein Kopf ist hyperaktiv und gleichzeitig sind meine Kräfte begrenzt. Permanent. Und dann ist da noch so ein Studium, das bewältigt werden möchte. Studieren mit psychischer Erkrankung fliegt mir natürlich noch weniger zu als der Rest meines Lebens, aber ich hatte für mich einen Rhythmus gefunden, der mal mehr und mal weniger gut funktioniert hat. Viele Vorlesungen habe ich sowieso von zu Hause gemacht, weil der Weg zur Uni und die vielen fremden Menschen vor Ort ein zu großer Kraftaufwand waren. Aber ich habe mir weise überlegt, welche „Wohlfühlkurse“, (also Kurse, an denen ich Freude habe, die mich fordern und mich zwingen zur Uni zu kommen, mich aber nicht überlasten) ich besuche. Das war ein fragiles Konstrukt, aber es war ein Konstrukt, das mir wahnsinnig viel bedeutet hat. Ich konnte zu einem gewissen Grad am Leben teilnehmen. Mir ging es trotzdem selten gut, im Sinne von: GUT. Aber ich habe Dinge geschafft und konnte stolz auf mich sein, wenn ich eine Woche gemeistert habe, ohne etwas ausfallen zu lassen. Wenn ich Stabilität in meinem Handeln erkennen konnte. Die kleinen Erfolge des Alltags und die damit verbundene Hoffnung auf ein zufriedenes Leben – irgendwann in der Zukunft – waren mein Motor.

Naja, bis dann alles schallend zusammengebrochen ist. Eigentlich bin ich sehr gut davon gekommen was Corona betrifft: Ich habe eine Wohnung, einen Freund der diese mit mir teilt, ich könnte den ganzen Tag zuhause bleiben wenn ich wollte und müsste mich keinem Risiko aussetzen. Ich habe keine Kinder, die betreut werden möchten und keine todkranken Angehörigen. Wir leben alle und mit BaFög bin ich vorläufig abgesichert. Also was für Probleme sollte ich haben, die sich nicht nach Luxus-Problemen und meckern auf hohem Niveau anhören? Da ist eben meine Psyche. Die, die eh schon wahnsinnig sensibel auf alles reagiert, die schon viel mitgemacht hat und die sich wünscht, Ruhe und Zuversicht zu bekommen. Eine Psyche, die verwundet und lange nicht geheilt ist. Eine, die mit halber Kraft permanent versucht den Lebensanforderungen halbwegs gerecht zu werden und nun noch mehr Gegenwind bekommt, wodurch noch mehr Kraft verloren geht. Das sind alles Dinge die innerlich stattfinden. Nichts davon ist „real“ wenn man so will. Nichts ist verankert in der physischen Welt. Letztendlich interessiert es niemanden, weil es nur mich betrifft. „Studierende müssen ja nur zu Hause bleiben, mehr nicht. Die haben es ja noch gut.“ Aber ganz ehrlich? Mir geht’s nicht besonders gut. Die ersten Wochen waren vielleicht noch okay, irreal, endlich mal durchatmen und so richtig die Wohnung ausmisten. Aber dann habe ich jedes Loch mitgenommen, das sich auf meinem Weg aufgetan hat. Ich bin für Krisen nicht besonders geeignet.

„Struktur im Alltag ist wichtig. Setzten Sie sich feste Termine, auch für Spaziergänge und schöne Dinge.“ – ja klar, muss man aber auch können. Es ist ja nicht so, dass mir das in normalen Zeiten leichtfiele. Das ist eine der größten Herausforderungen des gesamten Studiums für mich. Und jetzt, in einer Krisensituation soll das plötzlich die ultimative Lösung sein, die sich einfach so umsetzten lässt?

„Machen Sie sich nicht so viel Stress, es versuchen alle kulant zu reagieren.“ – ja, das kann man nur hoffen. Interessiert es das BaFög-Amt wirklich, ob ich eine depressive Phase hatte oder nicht? Ich MUSS bestimmte Dinge dieses Semester schaffen, das ist die Deadline. Können die Klausuren überhaupt stattfinden? Keine Ahnung. Also, man kann natürlich versuchen sich da keinen Stress zu machen, aber ignorieren kann man diese existenzielle Unsicherheit ja auch nicht. Ganz zu Schweigen von der finanziellen Entlastung, die mein Nebenjob mir gebracht hat, der nun wegfällt. (Endlich mal reale Probleme, die Menschen verstehen! Immerhin.)

Als mir das alles so bewusstwurde, was jetzt gerade doch längerfristig nicht mehr funktionieren wird für mich, gab es Tage, an denen ich im 10-Minuten-Takt heulen musste. Ich bin aufgewacht und wollte nur den Tag ohne größeren Schaden überstehen. Die mühevolle Arbeit der letzten Jahre mich selbst zu stabilisieren schien völlig verloren. Alle Hoffnung auf Besserung schien verloren. Meine Zukunft fühlte sich leer und schwarz an. Ich habe meine Nachbarn gehasst, weil sie so laut waren und habe im nächsten Moment geweint, weil ich mich so nach Ruhe gesehnt habe. Mir war es zu viel, das Haus zu verlassen und gleichzeitig habe ich mich eingesperrt gefühlt. Ich hatte Angst an einen psychischen Punkt zu kommen, den ich dachte schon vor langer Zeit überwunden zu haben. Ich hatte Angst vor meinen eigenen Gedanken und war geschockt zu merken, wie schnell mein Kopf alte Denkmuster und die gut bekannte Hoffnungslosigkeit reaktivieren konnte.

Während andere Menschen Skype-Spieleabende und Online-Dates ausgerichtet haben, saß ich zu Hause und habe mir selbst vorgeworfen, dass ich es scheinbar nicht hinkriege, Freunde zu finden. Das macht Sinn: Alles ist für mich anstrengend, da kriege ich es meist nicht noch groß hin zu socializen – DER Kraftaufwand schlechthin. Aber das rächte sich nun, weil ohne socializen natürlich auch keine sozialen Kontakte entstehen. Das muss doch an mir liegen! Vielleicht bin ich einfach nicht liebenswert? Zu schräg? Zu krank? Natürlich ist das Quatsch, aber wenn man schon in einer Schleife des Elends ist, dann ist es so wahnsinnig leicht den Rest Selbstwert zu verlieren der vorher vielleicht noch da war.

Für mich war es also jetzt über einen Monat extrem schwer, mich selbst wiederzufinden. Mich in der Situation zu verorten. Ich musste in aller erster Linie versuchen den freien Fall und das schwarze Loch zu verlassen. Uni? Das war mein geringstes Problem. Gleichzeitig aber vielleicht auch Teil der Lösung: Mein momentanes Highlight sind Zoom-Vorlesungen. Das sind die einzig festen Termine, die ich so habe. Ein Anker in der Woche. Immerhin.

Zweitens: Sport. Ich Jogge möglichst regelmäßig und habe mir die DVD von “Charlotte Crosby – “3 Minute Belly Blitz“ gekauft. Das Cover gehört verboten und die Werbestrategie zielt auf Gewichtsverlust ab, aber das kann ich gut ausblenden. Es ist natürlich nicht Sinn der Sache, sich noch zusätzlich mit dem eigenen Körper schlecht zu fühlen oder die fehlende Fitness (die man auf jeden Fall hat wenn man die Work-Outs zum ersten Mal macht) zu bemängeln. Es ist ein 36-minütiges Work-Out, in dem ich im Wohnzimmer ins Schwitzen komme. Es wird gekickboxed, getreten und geschlagen und Springseil gesprungen (ohne echtes Springseil) und gleichzeitig frage ich mich manchmal, was ich da eigentlich mache. Die Absurdität des Work-Outs bringt mich regelmäßig zum Schmunzeln, und wenn ich Übungen wie „Ice-Skater“ oder „Ski-Jumps“ mache, dann fühlt sich das so lächerlich an, dass es ein bisschen erleichternd ist. Meine Freundin hat mir die DVD empfohlen, daher habe ich nicht das Gefühl, das ganz alleine zu machen. Der Muskelkater hilft mir auch dabei, mich selbst zu spüren.

Drittens: Postcrossing. Wer noch nicht davon gehört hat: Da schickt man sich weltweit Postkarten zu. Und da die ganze Welt gerade betroffen ist, finde ich das einen wunderschönen Austausch und einen guten Weg, um den Kontakt zur Welt nicht zu verlieren. Bei mir hat sich daraus sogar eine Brieffreundschaft nach Frankreich entwickelt. Eines Tages im März, mitten im Lockdown, kam eine Karte aus Frankreich, die mich tief berührte. Auf Anhieb fühlten wir uns verbunden und erhielten die Freundschaft aufrecht. Diese Entwicklung kam so unerwartet und ist genau deshalb das Beste, das mir in dieser Krise bisher passiert ist.

Viertens: Ablenkung. Je schlechter es mir geht, desto mehr Ablenkung brauche ich. Backen, Häkeln, Sticken, Herzkino im ZDF, Scrabbeln, Aufräumen … Was sich so finden lässt. Und auch dabei kann es passieren, dass ich plötzlich anfange zu weinen, aber es ermöglicht mir Schadensbegrenzung zu betreiben. Wenn ich nach Rezept koche, dann muss ich mich aufs Rezept konzentrieren und kann nicht so viel Mist denken. Je länger ich im Negativdenken bleibe, desto mehr kommen mir die Gedanken nämlich als Wahrheiten vor. An Uni, lernen, lesen ist in diesen Momenten überhaupt nicht zu denken. Da versuche ich dann auch möglichst bewusst mir keinen zusätzlichen Druck zu machen.

Fünftens: Professionelle Hilfe. Natürlich habe ich auch Gebrauch meiner schon etablierten professionellen Netzwerke gemacht. Meine Psychologin und meine Psychiaterin machen ihren Job ja zum Glück weiter.

So muss jede/r für sich kleine Anker finden, aber es ist und bleibt nicht einfach. Die Hoffnungslosigkeit ist trotzdem oft da. Auch die Antriebslosigkeit. Auch die völlig fehlende Motivation. Auch die Tage, an denen ich kaum aus dem Bett komme und dann den Rest des Tages fernsehe, weil mein Kopf sich anfühlt wie Schleim. Und über allem thront natürlich das Gefühl, dass es eigentlich niemanden interessiert und ich mich vielleicht einfach mehr anstrengen sollte. Corona verstärkt für mich alles, das eh schon nicht rund lief. An den Wiederaufbauprozess nach Corona, wenn alle davon ausgehen, dass man direkt wieder zu 100% funktioniert, will ich erst gar nicht denken. Damit befasse ich mich später.

Ein letzter Tipp: Auch das Schreiben dieses Posts hat mir geholfen, mich besser zu verorten. Das Reflektieren hat meinen Gedanken wieder mehr Legitimität gegeben. Das hört sich alles gar nicht so irre an wie es sich in meinem Kopf anfühlt. Falls ihr also einen Gastbeitrag schreiben wollt, mailt uns gerne oder schreibt ihn einfach für euch selbst, ohne dass ihn wer anders liest. Bitte passt auf euch auf und sucht euch Hilfe, BEVOR es richtig schlimm wird!

Stay@home, Wochen 2 & 3: Jenny

The last two weeks were difficult, and Corona had nothing to do with that. A lot has happened, some of it sad, some of it good, some of it funny, some of it stressful, and frankly more than should be able to happen in your life when you barely leave the house or interact with the world outside. But it served as a good reminder: life didn’t stop, or pause. It’s still happening, differently, and in some ways less visibly, but definitely still there. And it will continue to be around, regardless of how long the current shutdown lasts.

On some days I got everything done: I finished something for uni, cleaned the apartment, fixed the WLAN and got the scanner to work, went for a walk, cooked, baked, replied to mails, did the dishes and laundry… the day went past in a twelve-hour blur of productivity. Other days just sort of happened, without me doing much of anything. My activities started to get a bit restless and haphazard, with me prowling around the place looking for distraction. Which is how I ended up listening to some comedy Christmas music, and playing ping-pong against the wall for an hour while contemplating life, and ducks, and hyphenation. But that’s ok.

As an act of self-care I started making it a point after that to do more stuff without a clear purpose, without high expectations. Because now seemed like the time to combat my perfectionism. I started writing passages from Harry Potter into the shape of a four-leaf clover, but if I’m honest I’m still pedantic about that. So I got out an old Strickliesel I was given as a child. Every few years I pick this up and add a few centimetres. It’s still the same ball of wool I used originally, and that doesn’t seem to be getting any smaller. Just as well really, because I have no idea what to do with the final product. I make no plans for it. I don’t need it. I also practised juggling while hula hooping. And in spite of some slight improvements I continue to be bad at it. In fact I don’t mean to be good at it, much less perfect. I have no intention of jump-starting a belated career in the circus. I just want to be able to do it. Acquire a skill, be ok at it, and move on.

While focusing on such little things helps me, I still worry. About the state of the world at large, about the germs potentially around me, and about everything in between. I’ve started to avoid most of the news, I rarely turn on the radio or other news media. Instead I’ve made significant progress down my list of things to watch and read. I’ve seen some great movies, and some bad ones, and I’ve started (and stopped) watching about six or seven different shows. But I’m a bit more careful about what I watch in what mood. I normally don’t deviate much from my plans, but I don’t have to watch Les Misérables when I’m feeling melancholy and depressed. It’s perfectly ok to discard my plan – made in the morning when I was still cheerful – and instead rewatch Toy Story.

But it doesn’t quite distract me from sometimes missing things. I miss not having this thing to worry about in addition to everything else. I miss not being worried about encountering people on my walks. I miss not seeing people sewing masks for themselves. And even though I text with my friends, talk to them on the phone or via video chat, I miss actually being in the same room with them, face to face without being dependent on technology as an erratic and wilful mediator. I miss making eye contact without glances flicking in between someone’s eyes on the screen and the camera lens. But maybe that’s also a good thing, to notice what you miss I mean, even when it hurts. It can show us what we want to prioritise in the future, and it keeps us from getting too used to this new normal, from normalising the current state of exception, because much like the hectic buzz and the wastefulness of the world that was ‘normal’ before, this has to be temporary. It can’t go on indefinitely, something’s gotta give.

The plug in my sink has said ‘Keep Calm and Carry On’ for years I think, but this week was the first time I actually really noticed and read it. It’s normally rather more encouragement than I need while brushing my teeth or washing my hands, but right now it seems more fitting than ever. And there’s an obvious metaphor about things going down the drain, but I choose not to read it that way. 🙂

So carry on staying healthy and safe and @home,

Jenny

Stay @home, Woche 2 ½: Lea

So langsam kehrt wieder etwas ´Normalität´ bei mir ein. Ich konnte mich gewöhnen an stündliche Berichterstattungen, Absperrband und Trennwände überall und den wöchentlichen Tanz um andere Menschen herum im Supermarkt um den Mindestabstand einzuhalten. Und ich konnte reflektieren und mich mit meinen Gefühlen auseinander setzen: Von Weltschmerz, über Einsamkeit bis hin zu Hoffnung.

Auch wenn sich Tag für Tag, mehr und mehr, ein Gefühl der Normalität etabliert, so macht mir die aktuelle Situation doch zu schaffen; mal mehr, mal weniger. An manchen Tagen wache ich auf und würde am liebsten den ganzen Tag im Bett bleiben, denn verpassen tue ich ja eh nichts. Jeden Tag das Gleiche: vor dem Laptop sitzen, hoffen, dass sich das Word-Dokument von allein mit Worten füllt, feststellen, dass das nicht passieren wird. Zwischendurch den Nachrichten zuhören, dann versuchen, das 1000-Teil Puzzle aus Harry Potter Charakteren zu vervollständigen. Wenn ich es mir dann mit einem Kaffee in meinem Sessel gemütlich mache und Zeit habe nachzudenken, merke ich, dass ich eine gewisse Trauer verspüre. Trauer, meine Freunde schon viel zu lange nicht mehr umarmt zu haben, Trauer darüber, dass viele Verwandte und Bekannte nun vor großen finanziellen Sorgen stehen, Trauer um die Welt. Und abermals denke ich „Es reicht jetzt auch. Kann bitte wieder alles gut sein?“ Natürlich war vorher auch nicht alles gut, aber es war irgendwie normal. An manchen Tagen nistet sich dieser Weltschmerz beharrlich in meinem Kopf und Herzen ein und lähmt mich nahezu. Und ich denke, das ist okay. Diesen Schmerz und Kummer zu spüren und ihm Raum zu geben ist okay. Die Welt ist nun mal nicht mehr wie zuvor und warum sollte ich von mir selbst erwarten, das anteilslos anzunehmen? Ich versuche also mir Zeit zu geben, nehme noch einen Schluck von meinem Kaffee und mache mir klar, dass ich meine Gefühle nicht unterdrücken kann noch sollte.

Zu diesen Gefühlen gehört auch immer mal wieder die Einsamkeit. Ich komme gut damit klar, viel Zeit in meinen eigenen vier Wänden zu verbringen und mal länger mit niemandem zu quatschen, das konnte ich auch vor Covid-19 gut und gerne. Nach fast drei Wochen in denen ich meine Freunde nur mithilfe von Skype und Co. bestenfalls in 240p sehen kann, fühle ich mich aber dann und wann einsam. In der Uni konnte ich stundenlang mit Freunden bei Hasan sitzen, im Smiley-Gesicht meines Latte Macchiato löffeln und über alles Mögliche reden. So sehr ich auch gerne ungestört Zeit Zuhause verbringe, ich vermisse es meine Freunde zu umarmen, ihnen beim Reden in die Augen schauen zu können. Und manchmal reicht die Vorfreude auf den Moment, in dem das wieder möglich ist, nicht dafür aus, dass ich mich besser fühle. Fast schon ironischerweise sind dies dann auch genau die Momente, in denen ich merke, dass ich mich zwar manchmal einsam fühlen mag, ich aber keineswegs allein bin. Denn eine WhatsApp-Nachricht später haben mich meine Freunde zum Lachen gebracht und erzählen mir von ihrem Tag. Täglich schreiben wir miteinander und mehrere Male in der Woche quatschen wir über Skype oder probieren zusammen ein ulkiges Online Game aus. Wir haben aktuell mehr Kontakt zu einander als vor Covid-19 und das schätze ich über alle Maße. Mit einem aufrichtigen „Wie geht es Dir heute?“ oder „Was können wir tun, damit Du Dich besser fühlst?“ sind wir füreinander da, denn wir sind alle in der gleichen Situation. Wir alle sitzen zuhause und freuen uns auf den Moment, in dem wir wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen und solange versuchen wir das beste aus der Situation zu machen.

Neben dem Weltschmerz und der Einsamkeit, die ich an manchen Tagen verspüre, fühle ich mich auch hoffnungsvoll. Für mich schließen sich diese Emotionen nicht gegenseitig aus und auch sind sie mehr als das genaue Gegenteil von einander. Ich fühle Kummer um die aktuelle Lage auf der Welt, ich vermisse meine Freunde und ich habe Hoffnung, dass sich die Dinge ändern werden. Ob ins positive oder negative kann ich natürlich nicht sagen, aber das Schöne an Hoffnung ist ja, dass sie bedingungslos ist. Ich kann hoffen, dass sich die Situation verbessert und das tue ich auch, ganz unabhängig davon, ob das passieren wird oder nicht. Vielleicht ist Hoffen ein bisschen wie Vorfreude. Ich habe mich wahnsinnig auf meine Reise nach London Ende Mai gefreut, die jetzt abgesagt wurde. Vorfreude habe ich dennoch gespürt und diese verfliegt auch nicht dadurch, dass ich nun nicht mehr fliege. Ähnlich kann ich nun hoffen, dass die Dinge besser werden, denn das hilft mir, das Bett dann doch zu verlassen und mich besser zu fühlen, unabhängig davon, ob meine Hoffnung wahr wird.

Ich befürchte allerdings, dass alle Hoffnung der Welt nicht dazu führt, dass sich mein Word Dokument auf magische Weise von alleine mit Worten füllt. Rückblickend auf meinen vorangegangen Blogpost kann ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass ich in der letzten Woche nicht allzu viele meiner To-Dos abhaken konnte. Vielleicht muss ich einfach stärker hoffen. 😉

Bis dahin, stay safe and @home

Lea

Stay@home, Woche 2: Maren

Die zweite Woche in meiner selbst gewählten Quarantäne ist nun fast vorbei. Es scheint, als würde die Zeit still stehen, aber sie tut es nicht. Anfang der Woche dann die allgemeine Kontaktsperre. Auch wenn ich bereits eine Woche ohne persönliche Kontakte hinter mir hatte ohne das Gefühl, eingeschränkt zu sein, machte mir diese verordnete Kontaktsperre Angst. Was genau bedeutet das nun? Wie lange wird das Ganze noch andauern? Werde ich die nächsten Wochen und Monate meine Freunde nicht sehen können? Was ist mit den Festivals und Märkten, die anstehen? Gefühlt ist das Jahr 2020 jetzt schon gelaufen, bevor es überhaupt richtig angefangen hat. Auch die Uni geht in den Notbetrieb. Am liebsten würde ich mich den ganzen Tag ins Bett legen, mir die Decke über den Kopf ziehen und in eine Schockstarre verfallen, bis alles vorbei ist. Aber die Welt steht nicht still, und so kann auch meine eigene Welt nicht still stehen. Ich brauche neue Routinen, um mir selbst das Gefühl zu geben, in einer Zeit der Unsicherheit wenigstens ein wenig die Kontrolle zu behalten. Wenigstens mein eigenes Leben weiter bestimmen zu können und mich nicht eingeschränkt zu fühlen. Und ja, auch wenn das alles gleich sehr positiv klingt, das Etablieren neuer Routinen braucht Zeit. Und natürlich gab es Fehlschläge und es wird sie immer geben. Aber das stört mich nicht. Stattdessen lerne ich aus diesen „Fehlschlägen“ und akzeptiere sie. Denn wenn etwas einmal nicht so funktioniert, wie es funktionieren sollte, wollte mein Unterbewusstsein mir wahrscheinlich mitteilen, dass ich an diesem Tag einfach Ruhe und Zeit brauchte. Und wenn ich den ganzen Tag mit meiner Lieblingsserie verbringe oder meine Kutte für die Festivals nähe, dann ist das gut so, weil es für mich gut ist. Ich brauche dann kein schlechtes Gewissen haben, weil ich nicht an meiner Hausarbeit geschrieben habe. Ich habe etwas für mich und mein Wohlergehen getan und das ist viel wichtiger, als weitere 200 Wörter, die am Ende noch großer Blödsinn sind.

Wie in meinem letzten Beitrag versprochen, schreibe ich heute etwas zu meinen neuen Routinen, die mir diese Woche weitestgehend geholfen haben.

Routine 1: Keinen Wecker stellen

Wecker und ich waren noch nie die besten Freunde. Wir führen eher eine Hassliebe. Mein bester Freund ist die Snooze-Taste, die im Halbschlaf gedrückt einem noch fünf Minuten gewährt. Dieses Spiel wiederholt sich des Morgens zwischen 5 und 25 Mal. Der Wecker setzt mich unter Druck, die Snooze-Taste vermittelt das Gefühl von trügerischer Sicherheit. Dennoch brauche ich den Wecker, wenn ich Termine habe. Ich habe derzeit aber vormittags keine Termine, also warum sollte ich mich dann von einem Wecker unter Druck setzen lassen? Und siehe da, ich schaffe es, früher aufzustehen, als ich dachte. Vielleicht sollte ich immer auf den Wecker verzichten?

Routine 2: Morgenroutine

Wie oft habe ich dieses Wort in der letzten Zeit auf den verschiedensten Social-Media-Kanälen gelesen… Und jedes Mal, wenn ich mir dann anschaue, was andere Seiten mir empfehlen, wird mir das Gefühl vermittelt, dass meine Routine falsch ist. Ich starte nicht jeden Tag mit einem Lächeln, stattdessen laufe ich morgenmuffelig durch die Wohnung auf der Suche nach Kaffee. Ich fange nicht mit einem guten und gesunden Frühstück an, stattdessen setze ich mich mit meinem Kaffee auf den Balkon und versuche, auf mein Leben klarzukommen. Nach dem Frühstück, in meinem Fall Kaffee, mache ich keinen Sport. Stattdessen mache ich mein Bett, das ist schon Kraftakt genug, wenn man es ordentlich macht. Danach noch das Zimmer aufräumen und ab ins Bad, um mich für den Tag zurecht zu machen. Und ich stelle fest: Eine richtige Hose und ein bisschen Make-up helfen mir, mich auf die Arbeit vorzubereiten. Anschließend mache ich mir jeden Morgen das gleiche Lied an, um mich auf die Arbeit einzustimmen(Carry on Wayward Son ist einfach ein guter Song, den kann ich nicht oft genug hören). Während das Lied läuft, richte ich mein Home Office ein, schreibe mir die Aufgaben in mein Journal (und hole mir meistens noch einen Kaffee, denn ganz wach bin ich noch nicht). Dann noch ein bisschen durch das Zimmer tanzen, wenn mir danach ist, und schon kann der Tag losgehen.

Routine 3: Kleine Ziele setzen

Jeder von uns kennt das: Nach der Morgenroutine sitzen wir am Schreibtisch und wollen voller Tatendrang an unseren Aufgaben arbeiten. Und… Joa… Da sitzt man nun am Schreibtisch… Joa… Hmm… Vielleicht sollte ich noch einmal die Mails checken? … Wie zu erwarten, nichts Neues… Okay… Jetzt fange ich an zu arbeiten… Ich starre nicht einfach nur die leere Seite an… Ich bin jetzt produktiv… Okay… Aber jetzt… Grillenzirpen…

Anstatt des erwünschten Schreibflusses habe ich am Ende gar nichts geschafft und fühle mich einfach nur mies. Ich habe also angefangen, mir ganz, ganz kleine Ziele zu setzen. Statt darauf zu hoffen, dass ich 4000 Wörter am Stück schreibe, schreibe ich lieber nur 100-200 Wörter. Oder ich nehme mir vor, ein Kapitel zu lesen anstelle des gesamten Buches. So generiere ich für mich viel schneller und einfacher Erfolgserlebnisse, die ich abhaken kann. Und je kleiner das Tagesziel, desto schneller kann ich es erreichen und mich wieder meiner Serie oder meiner Kutte widmen.

Und nun zu meinen Fehlschlägen:

Es war eindeutig nicht meine beste Idee, als ich versuchte, mich am Dienstag mit nur einer Folge und nur einem Patch zu belohnen, bevor ich überhaupt angefangen hatte, etwas zu tun. Am Ende hatte ich erfolgreich 5 Patches auf meiner Kutte und die halbe Staffel meiner Serie durch. Immerhin habe ich notgedrungen noch Wäsche gewaschen, aber für die Uni habe ich am Ende des Tages nichts gemacht. Aber das ist für mich vollkommen okay. Ich habe daraus gelernt, wie wichtig mir meine persönliche Morgenroutine ist. Und ich habe gelernt, dass sich Kutten nur mit Blut, Schweiß und Tränen am besten nähen lassen. Die Erkenntnisse haben gereicht, um kein schlechtes Gewissen zu haben 🙂

Mal schauen, ob diese Routinen mir nächste Woche auch noch helfen, oder ob ich da andere brauche. Ich werde euch berichten 🙂

Bis dahin, bleibt gesund 🙂

Maren

Stay@home, Woche 1 : Lea

Jetzt ist (erst mal) alles anders, alles muss neu strukturiert werden, neue Routinen geschaffen werden. Die Ausbreitung des Corana-Virus heißt für mich ganz konkret, zu lernen, dass ich nicht weiß, was in 2 Wochen ist, oder gar in 2 Monaten. Und gewöhnlich, ist es das, was ich gut kann und was ich in meinem Alltag brauche: Dinge planen. Sein dies nun Veranstaltungen für LiLiGoesMental, Treffen mit Freunden oder das nächste Schreibprojekt. Ich plane und organisiere, schreibe Daten und Termine in mein Bullet Journal und bereite mich auf Kommendes vor. Tja, und nun? So wirklich weiß im Moment niemand, was die nächsten Wochen bringen werden und das führt dazu, dass mein Körper aktuell unter Dauer-Stress steht. Jetzt muss ich mich erst mal mit dem Gedanken anfreunden, dass ich vieles nur noch sehr kurzfristig planen und entscheiden kann. Die fehlende Selbstwirksamkeit macht mir im Moment am meisten zu schaffen; ich selbst kann nicht mehr frei entscheiden, wie ich meine Zeit verbringe. Geliebte Menschen auf einen Kaffee in der Uni treffen ist nicht mehr möglich, genauso wenig das sonntägliche Kuchen-Essen mit meinen Großeltern. Stattdessen sitze ich nun vor meinem Laptop und hoffe, dass die Internetverbindung für ein Skype-Gespräch mit meinen Freunden ausreicht.

Nach der ersten Woche, in der vieles neu und anders war, merke ich so langsam, was ich jetzt am meisten brauche: das Gefühl, dass es noch Dinge gibt, die ich kontrollieren kann.  Und die Erkenntnis, dass Home-Office und zu Hause sein nicht heißt, dass ich nun 100mal produktiver sein muss und kann als zuvor.

Eine Sache, die ich beeinflussen kann, ist mein Medien-Konsum. Und ich meine hier nicht in erster Linie, wie viele Staffel meiner Lieblingsserie ich auf Netflix bingewatche. Instagram, Twitter und Facebook lassen sich alle innerhalb von 2 Sekunden auf meinem Handy finden und öffnen und zack, schon springt mir die erste Eilmeldung oder Nachricht der Tagesschau ins Auge. Zwischen neuen Statistiken zur Ausbreitung des Virus, Ratschlägen von Ärzten und allzu oft auch Menschen, die eindeutig nicht qualifiziert sind, solche Ratschläge zu erteilen, komme ich kaum dazu durchzuatmen. Einerseits ist es schön, dass ich mich jederzeit auf den aktuellsten Stand zur Krise bringen kann, andererseits heißt dies für mich nun auch: nur weil ich es kann, heißt das nicht, dass ich es sollte. Mir tut es eindeutig nicht gut im Sekundentakt mit News konfrontiert zu werden und es liegt an mir, das Handy wegzulegen und stattdessen zu lesen, puzzeln, schlafen oder Critical Role zu schauen. Und wenn ich das Gefühl habe, dass ich neue Informationen brauche, weiß ich, wo ich sie finden kann.

So offensichtlich es auch klingt, eine andere Sache, die ich kontrollieren kann, ist wie ich meinen Tag verbringe und wann ich welche Aufgabe erledige. Das ist oft nicht der Fall, wenn ich in der Uni bin, denn dort fällt es mir häufig schwer, abzuschalten. Kaum ist die eine Mail beantwortet, kommen die nächsten drei ins Postfach, welche ich dann schnell zwischen meinen Kursen und diversen hochschulpolitischen Treffen beantworte. Wenn ich morgens in der Uni ankomme, weiß ich nie genau, welche Termine und Aufgaben sich für den Tag noch ergeben werden, denn die kommen oft ganz spontan und verlangen dennoch meine volle Aufmerksamkeit. Jetzt im Home-Office kann ich wesentlich besser kontrollieren, welchen TOP meiner To-Do Liste ich wann bearbeite. Mails muss ich nicht sofort beantworten, denn ich habe die Gewissheit, dass ich auch später am Tag oder morgen noch dafür Zeit habe. Ich kann immer noch Pläne erstellen für baldige Abgaben und versuchen mich dran zu halten. Ich kann Termine vereinbaren und in mein Bullet Journal schreiben für Skype-Verabredungen mit meinen Freunden. Und wenn mir das alles nicht genug ist, kann ich sogar feste Zeit planen, in denen ich einen Mittagsschlaf mache.

Wenn dann aus diesem Mittagsschlaf ein ganzer Tag auf dem Sofa wird an dem ich nichts mache, außer Sims zu spielen und mit meinen Freunden zu schreiben, muss ich nun auch lernen, mich deswegen abends nicht schlecht und schuldig zu fühlen.  Denn ebenso wie ich gemerkt habe, dass ich es mir nicht gut tut, ständig neue Meldungen über Social Media zu bekommen, hilft es mir nicht, mich durch Instagram und Co. mit anderen zu vergleichen. Andere, die in meinen Augen wesentlich produktiver sind. In der ersten Woche im Home-Office sind die meisten meiner To-Dos unerledigt geblieben und trotzdem noch neue dazugekommen. Aktuell kann ich nicht sagen, wie die nächste Woche wird; ob mir mein neuer Alltag den Mindset ermöglicht, konzentriert an meinen Aufgaben zu arbeiten, oder ob ich einfach noch länger brauche mich umzugewöhnen. Wie bei vielen Dingen, gibt es auch in dieser Hinsicht keinen Weg, der für alle gleich gut funktioniert oder richtig ist. Ich bin momentan noch dabei, herauszufinden, wie mein Alltag und neue Routinen aussehen müssen, damit ich in einem gewissen Maße produktiv sein kann und es mir dabei mental und körperlich gut geht. Zum Glück habe ich ja nun etwas Zeit, das zu lernen.

Bis dahin, stay safe and @home

Lea