Stay@home, Woche 1: Maren

Seit einer Woche herrscht das Chaos… Uni dicht. Geschäfte schließen. Überall hört, liest und sieht man Meldungen über Corona. Vor zwei, drei Wochen noch hat sich kaum einer von uns Gedanken darüber gemacht. „Wird schon nicht schlimmer sein als die alljährliche Grippewelle.“ Diesen Gedanken hatte auch ich. Und dann kamen die Meldungen über die Schul-und Universitätsschließungen letzte Woche Freitag.

Ich hatte tausende Fragen in meinen Kopf: Wie mache ich das jetzt mit meiner Hausarbeit? Kann ich die überhaupt vernünftig schreiben? Wie sieht das aus mit den Veranstaltungen im nächsten Semester? Fragen über Fragen und ich habe bis heute keine Antwort. Diese Unsicherheit machte und macht mir Angst. „Aber immerhin“, so dachte ich, „kann ich noch arbeiten gehen. Dann ist wenigstens das Geld gesichert. Die Sachen mit der Uni werden sich schon nach und nach klären.“ Und dann kam der Sonntag. Die Landesregierung NRW beschloss, dass ab Dienstag auch alle anderen Bildungseinrichtungen vorerst schließen müssen. Für mich, die in einem Nachhilfeinstitut arbeitet, eine Katastrophe. Ohne Nachhilfe kein Geld. Wie soll ich über die nächsten Monate kommen, wenn ich kein Geld verdienen kann? Die Unsicherheit und die Panik, die mich über das Wochenende überkam, erreichte ihren Höhepunkt. Wie soll ich das die nächsten Wochen schaffen? Darf ich meine Eltern und meine Großmutter überhaupt noch sehen? Wie viel Sozialkontakt ist möglich? Kann ich mein gesamtes Leben vollkommen umkrempeln? Nicht mehr nach draußen gehen? Nicht mehr zur Uni? Nicht mehr arbeiten?

Ich entschied mich, dass ich die nächsten Wochen primär bei meinem Partner verbringen werde. Ich, allein in meiner Wohnung, kam für mich nicht infrage. Ich habe zu viel Angst davor, dass mich die soziale Isolation in ein tiefes Loch fallen lässt, aus dem ich nur mit Mühe wieder herauskomme. Also packte ich meinen Koffer.

Seit Dienstag bin ich nun in meiner selbst auferlegten Quarantäne. Nicht für mich, sondern um andere zu schützen. Und ich musste schauen, wie ich mich in meiner jetzigen Situation zurecht finde.

Step 1) Home Office einrichten

Da ich jetzt nicht mehr in der Uni arbeiten kann, brauchte ich also ein Home Office. Ein kleiner Tisch, alle Bücher drauf, Laptop, Tablet und sonstiges Equipment wie Headset und Webcam, Stifte und Papier und schon kann es los gehen. Und der Vorteil am Home Office: Ich kann an den Büchern sitzen und trotzdem Kaffee trinken. Diesen Luxus habe ich in der Bibliothek nicht. Warum wollte ich eigentlich immer in der Bibliothek lernen? Um die Ablenkung zu vermeiden – ja Netflix und Co. sind spannend – habe ich angefangen, meine produktive Phase immer mit ein und demselben Lied einzuläuten.

Step 2) Kommunikationswege schaffen

Ich hatte vor kaum einer Sache mehr Angst als vor der sozialen Isolation. Also wollte ich über die verschiedensten Kanäle erreichbar sein Ich glaube, ich hatte noch nie so viele Kanäle zur Interaktion wie jetzt und bin derzeit noch völlig überfordert, wie viele Möglichkeiten einem das Internet eigentlich bietet. Und muss auch noch lernen, wie ich damit am besten umgehe, dass ich nicht von meiner eigentlichen Arbeit abgelenkt werde 😀

Step 3) Neue Routinen.

Ich bin ein Mensch, der ganz viele Routinen braucht. Bricht bei mir eine Routine weg, stehe ich da wie Bambi, das von einem Auto mit Fernlicht angestrahlt wird. Ich weiß weder vor noch zurück und verfalle in Schockstarre. Jetzt sind alle meine Routinen auf einmal weggebrochen und ich würde mich am liebsten in meinem Bett verkriechen. Schockstarre erscheint mir in dieser Situation aber kein gangbarer Weg, also blieb mir nur der Angriff. Ich fange also gerade an, neue Routinen zu etablieren.

Step 4) Ziele und To-do-Listen

Ich persönlich bin ein großer Freund des Bullet Journalings. Ohne meinen kleinen Helfer ginge in meinem Leben gar nichts. Und gerade für die jetzige Situation ist mein kleiner Freund der Helfer in der Not. Jeden Abend lege ich mir meine To-do’s und Ziele für den nächsten Tag fest und seien sie noch so klein. Wenn ich sonst fast eine Seite pro Tag an To-do’s erledigen musste, sind es jetzt weniger. Die Hauptsache ist, dass ich was zu tun habe. Übrigens steht jetzt in meiner To-do-Liste auch so etwas wie Serie schauen, warum auch nicht, ich habe Zeit 🙂

Step 5) Die Chance der Zeit erkennen

Wie lange habe ich viele Dinge aufgeschoben, weil ich keine Zeit dafür hatte. Es kam immer was wichtigeres dazwischen. Aber jetzt habe ich auf einmal ganz viel Zeit, die ich auch für schöne Dinge nutzen kann. Ich habe also eine Liste angelegt: „Endlich Zeit für…“ Ich machte mir Gedanken, was ich schon lange machen wollte, und schrieb das auf. Siehe da, auf einmal standen da an die zehn Kreativprojekte, für die ich einfach nie die Zeit und Ruhe hatte. Und jeden Tag kommen mir neue Dinge in den Sinn. Also langweilen werde ich mich in den nächsten Wochen bestimmt nicht.

Um das alles einzurichten und mir zu überlegen, wie ich die nächste Zeit überstehe, habe ich jetzt ungefähr eine Woche gebraucht. Jetzt muss ich noch schauen, wie das alles funktioniert und welche Routinen ich etablieren muss und werde, damit das funktioniert. Ich halte euch auf dem Laufenden und werde nächste Woche meine neuen Routinen – und meine Fehlschläge – mit euch teilen.

Bis dahin, bleibt gesund und stay@home!

Maren

Stay@home, Woche 1: Jenny

I see so many posts about activities for the quarantine life. People finally read and watch the books and series that have been piling up, they clean, tidy up and organise their stuff, declutter their wardrobes, cook and bake, start artsy projects… I look around my apartment. I can’t find anything in urgent need of cleaning. I’ve just tidied up, and there isn’t a single item left I could get rid of. I’ve already made significant progress with my lists of things to read and watch.

Lego Hogwarts has just been entirely assembled and disassembled again. A number of my recent drawings now decorate the wall. Beep – the apple muffins are ready. Wherever I look, it’s ‘been there, done that’. But wait… it’s only been a few days of Corona. I realise I’ve already been living like this for the last couple of months, and not for the first time. I’m entirely used to this. This feels familiar. Structuring my day, being left to my own devices, a bit cut off from the world outside, carefully regulating how much news and external panic I consume, getting things done or just killing time, daydreaming, wondering about the meaning of life, keeping myself busy with few or no appointments. This is what I know, what I have already learned. This is something I can handle.

But people are afraid. People are dying, suffering, grieving, worrying. The news and social media are in overdrive, there is panic everywhere. And like most of us, I worry about friends and family who are at risk. I worry about myself. I worry about the future. I worry about the availability of water, food, and other necessities. So this doesn’t seem like a good environment for me and my anxiety disorder. Except in some way, it is. I worry, all the time, and about most things. I am often afraid. Sometimes there are weeks at a time where every appointment feels like an exam, every day like the world – my world – might end. But normally, the world is normal, disconnected from me in its carefree buzz of existence, with people going about their daily lives and routines while I feel like I’m in a perpetual state of exception, trying but unable to keep up with the world around me. Now the world finally matches my mental state. I hate this situation, but I also find it strangely comforting. I notice that I really needed the world to stand still for a bit, to not even have those few appointments I still managed for the last couple of months during which I struggled with physical health issues on top of my anxiety. Now I have time to breathe, to recover properly rather than just try to hang on, squeezing the experiments of what food my body might still tolerate in between days at uni. I even managed to get some work done at home for what feels like the first time in a while.

I am aware that I am relatively privileged with regard to this pandemic. I have the resources that I need and I can rely on the people around me, both in person and via electronic channels of communication. I don’t feel isolated. My existence is not threatened, nor does it feel threatened more than usual. The pandemic has had a reasonably small effect on my daily life, even forced upon me some much needed quiet. In the same way that this feels like a chance for me, it might also be one for the world at large. The daily lives of so many have been impacted by one thing, the habits of so many are forced to change at the same time, in small and in not-so-small ways. This can be a huge chance to establish healthier, more mindful ways of living, personal and public practices of care and social responsibility among all sorts of different people. A chance to improve health care systems, establish new measures that safeguard everyone’s livelihoods, foster global cooperation without capitalist interests. Being forced to pause and reconsider, being faced with the consequences of our way of life, we might realise that we want to change what we prioritise in the future – human connection, the environment, sustainability, equality, things that might be beneficial for all of us in the long run.

I realise that this is incredibly (and, for me, uncharacteristically) optimistic. The only thing safe to say right now is that there will be effects, multiple and varied, on most areas of life. Think about how 9/11 influenced our world – from international politics to travel and safety regulations to academic thought to what we personally expect the world and the future to be like. It makes sense to distinguish between pre- and post-9/11 in many fields and genres. We will be researching this, thinking, talking, reading, and writing about this for years to come. But while this crisis has made global catastrophes and apocalyptic scenarios imaginable, it has also made a variety of positive responses imaginable – in fact it has made some of them real already. And the mere fact that I am sitting at home right now, thinking about the possible positive outcomes and the productive potential of this, gives me hope. Because actively guiding my thought processes and imagining the future in positive, hopeful terms – be it in my head or in conversation, in a journal or on our blog – is certainly a new habit for me, one that I value, that contributes to my well-being, that motivates me to act, and that I intend to continue to practise and keep alive beyond this virus.

Jenny