Stay@home: Produktiv in Jogginghose I

Nachdem ich in meinem letzten Beitrag darüber nachgedacht habe, wie schwer es mir fällt, im Home-Office produktiv zu sein und dass ich Angst davor habe, alles, was ich mir in den letzten Monaten vor Corona als Arbeitsroutinen erarbeitet habe, zu verlieren, fasste ich einen Plan. Warum nicht die Chance nutzen und lernen, auch zu Hause mit all den verlockenden Ablenkungen (Netflix., Aufräumen, Schlafen, …) produktiv zu sein? Dieses Projekt nenne ich: Produktiv in Jogginghose

Der erste Tag des Projekts: Produktiv in Jogginghose

Mir geht es bei diesem Projekt einzig um meinen Arbeitsprozess und nicht darum, meine Noten zu verbessern. Ich fing also an, mir zu überlegen, warum ich zu Hause nicht so gut arbeiten kann wie in der Bibliothek. Zum einen ist da die Verlockung, einfach im Bett liegen zu bleiben und den ganzen Tag Serien zu schauen. Aber das allein schien mir nicht das Problem zu sein. Denn auch alle Ablenkung verliert irgendwann ihren Reiz. Und trotzdem konnte ich mich nicht aufraffen. Ich saß am Schreibtisch vor meinen Uni-Unterlagen und starrte sie einfach nur an, in der irrwitzigen Hoffnung, dass sich die Arbeit doch vielleicht von selbst erledigt. (Tat sie natürlich nicht, wäre ja auch zu schön gewesen) Daraufhin überlegte ich mir, was anders ist. Welches Gefühl hatte ich beim Lernen in der Uni? Und welches Gefühl habe ich zu Hause? Und dann wurde mir klar, dass das Lernen in der Uni für mich gleichzusetzen ist mit dem Gefühl, wenn ich zur Arbeit gehe. Und eine Sache trage ich nie bei der Arbeit und das ist meine Jogginghose. So blöd das auch klingen mag, aber diese Jogginghose verhinderte bei mir, dass sich eine Arbeitshaltung entwickelte. Die einfache Lösung wäre gewesen, mir morgens eine Jeans anzuziehen. Aber das war nicht mein Ziel. Ich hatte ja den Plan, an meinem Prozess und meiner Einstellung zu arbeiten. Und somit versuche ich jetzt seit 2 Wochen, meine Jogginghose in eine Arbeitsjogginghose zu verwandeln – eine Achterbahn der Gefühle und Produktivität, um es vorwegzunehmen.

Ein kleiner Einblick in meine Fortschritte


Am Anfang funktionierte mein Plan noch recht gut: ich setzte mir nur kleine Ziele (100 Wörter-Methode und so). So konnte ich die ersten drei Tage meine Produktivität in Jogginghose steigern. Ich freute mich über meinen Fortschritt und hoffte, dass das so weitergehen würde. Aber dann kamen wieder die Tage, an denen ich am Schreibtisch saß und mich einfach nicht aufraffen konnte. Stattdessen gingen meine Jogginghose und ich wieder ins Bett und schauten frustriert irgendwelche belanglosen Serien. Doch ich gab nicht auf und setzte mich schon aus Trotz immer wieder an meinen Schreibtisch, bis wieder die Tage kamen, an denen ich motiviert und produktiv war. Ich weiß, dass es bei der Arbeit an einem Prozess zu Rückschlägen kommt. Aber ich lasse mich davon nicht unterkriegen und wenn wieder so Tage kommen, an denen ich mich und meine Jogginghose einfach nicht motivieren kann, dann ist das okay, denn am nächsten Tag kann es schon wieder ganz anders sein.

Freizeitgestaltung in Zeiten von Social Distancing

Es ist Juni und damit sind wir seit drei Monaten im Social Distancing. Eigentlich standen viele Feiern, Festivals und lange geplante Treffen mit Freunden in meinem Kalender. Aber nichts davon konnte oder kann stattfinden. Clubbesuche, Grillabende o.ä. sind in Zeiten von Social Distancing kaum möglich. Und die Frage, die sich mir immer wieder stellt: Was mache ich denn mit meiner freien Zeit, wenn ich all das nicht machen kann?

(Ja natürlich, ich könnte die Zeit für die Uni und die Arbeit nutzen, aber wer arbeitet schon 24/7?). Also machte ich mir das Prinzip otium und negotium (da zahlt sich das Lateinstudium endlich mal aus) zunutze. Negotium, damit meinten die Römer alle Verpflichtungen und Aufgaben, die man so hatte – in meinem Fall Uni, Arbeit, … . Was mein negotium ist, war damit recht schnell klar. Aber otium ( =freie Zeit) war da schon ein wenig schwieriger. Mein erster Gedanke war: Mehr Zeit für Netflix und Co. (immerhin habe ich noch so viele Serien in meiner Watchlist!) Habe ich dann auch versucht, aber ich fühlte mich damit unwohl und niedergeschlagen. So wollte ich mein otium nicht verbringen. Otium bedeutet nämlich nicht einfach nur freie Zeit, sondern auch Reflexion und auch Schreiben von literarischen Werken. (Ja, reiche Römer haben das in ihrer Freizeit gemacht :D) Aber zum Glück bin ich kein römischer Senator und muss nicht den Anspruch an mich stellen, einen Klassiker der Weltliteratur zu schreiben.

Stattdessen überlegte ich also, was ich neben Netflix und Aktivitäten mit Freunden noch gerne gemacht habe. Die Antwort fand ich in meinem Bullet Journal.

1) Lesen

Wegen des vielen Lesens im Studium hatte ich keine Motivation, auch noch meine Freizeit damit zu verbringen, obwohl ich früher stundenlang mit einem Buch in der Sonne sitzen und dabei die Welt um mich herum vergessen konnte. Doch monatelang stand auf meiner Reading List nur ein einsames Buch, bei dem ich nur noch 20 Seiten lesen musste, es aber nicht tat. Ich las also die letzten 20 Seiten und fing direkt das nächste Buch an. Dann das nächste, …

2) Kreativ werden

Neben der Reading List mit dem einsamen Buch fand ich in meinem Bullet Journal eine weitere Seite, der ich kaum Beachtung geschenkt habe: Meine Kreativprojekte!

Ich fing also an zu nähen. Zunächst nähte ich Masken, um wieder reinzukommen, bis meine Familie mit ausreichend Masken versorgt war. Dann nähte ich meinem Journal eine Hülle und bin nun dabei, ein passendes Stiftetui zu nähen.

Kleines Handlettering-Projekt

Außerdem übe ich mich im Handlettering und Zeichnen. Die Ergebnisse sind noch nicht perfekt, aber es macht mich glücklich, wenn ich am Ende ein Ergebnis habe. Außerdem fange ich nun ein Book Journal an, in dem ich sowohl meine persönlichen Book Reviews festhalten als auch meiner Kreativität freien Lauf lassen kann.

3) Videochats mit Freunden

Auch wenn wir uns nicht persönlich als große Gruppe treffen können, können wir uns online sehen. Und ich muss feststellen, dass das viel günstiger ist, als beispielsweise ein Clubbesuch. (Das Resultat und die Konsequenzen am Morgen bleiben allerdings die gleichen.) Jedoch möchte ich keine Sekunde missen, die ich mit meinen Freunden verbringen kann, auch wenn mir der persönliche Kontakt schon sehr fehlt. Ich versuche also, so viele Aktivitäten wie möglich mit meinen Freunden online möglich zu machen, sei es nun ein Buddy Read oder auch Spielabende, die Hauptsache ist, dass ich Zeit mit ihnen habe.

Das sind meine TOP 3 der Freizeitgestaltung. Ich kann mich entspannen und kann für kurze Zeit vergessen, dass dieses Jahr alles irgendwie anders läuft, als geplant. Es macht mir Spaß zu sehen, wenn ich mich in einem Kreativbereich verbessere. Und das Beste daran, mich kreativ auszuleben: Ich halte am Ende des Tages ein Ergebnis in der Hand, anders als beim Lesen und Schreiben meiner Unitexte. Ich freue mich, in fremde Welten eintauchen zu können und die Geschichten in den Büchern zu erleben. Diese Dinge geben mir ein gutes Gefühl. Sie lassen mich nicht verzweifeln und sind eine schöne Belohnung, die ich mir gönne, wenn ich meine Unisachen oder andere Verpflichtungen erledigt habe.

Freizeitgestaltung ist etwas Individuelles, etwas Subjektives. Doch ich habe gemerkt, dass ich glücklicher und zufriedener bin, wenn ich in meiner Freizeit etwas mache, worin ich mich verbessern kann und/oder ich einen Fortschritt sehe. Dinge, die mir helfen, mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben. Und das sollte das Ziel von otium sein. Zeit für sich, die man so verbringt, dass es einen glücklich macht. Ob das jetzt Lesen, Malen oder Sport sind, das ist jedem selbst überlassen.

Stay@home, Tag 12649739 oder so ähnlich; Maren

Lange Zeit habe ich nichts mehr geschrieben. Am Anfang dachte ich noch, ich könnte jede Woche einen Blogpost schreiben, schließlich habe ich ja Zeit. Anfänglich habe ich mir auch viele Gedanken über neue Routinen gemacht, die auch für einige Zeit funktioniert haben, aber je mehr Tage verstrichen, desto weniger funktionierten diese. Jeder Tag glich dem anderen, jeder Tag brachte mich tiefer in die Frustration und Eintönigkeit. Auch die Videochats mit Freunden und die Pen & Paper- Runden wurden immer weniger. Was sollte man sich auch erzählen, wenn keiner etwas erlebt oder zu berichten hat, was man nicht schon gefühlt 50 Mal erörtert hat? Und so plätscherte die Zeit dahin. Der März ging in den April über. Der April in den Mai… und jetzt… Mit erschrecken musste ich feststellen, dass schon bald Juni ist. Nichts von dem, was ich mir für die Uni vorgenommen habe, ist fertig. Meine anfängliche Motivation ist weg, stattdessen überlege ich mir jeden Tag, ob es sich überhaupt lohnt, aufzustehen. Meine Jeans hatte ich seit Wochen nur noch an, wenn ich dann doch mal zum Einkaufen fahre, oder ich die eingeschränkten Kontakte mit einer Freundin genieße. Dann schlage ich den angesetzten Staub von der Jeans und komme mir plötzlich vor wie der Mensch, der ich vor einer gefühlten Ewigkeit war. Wie kann es sein, dass ein so einfaches Kleidungsstück wie die Hose einen solchen Unterschied machen kann? Warum kann ich nicht auch in Jogginghose produktiv sein? Oder schließen sich Jogginghose und Motivation zur Produktivität einfach aus?

Die Tage plätschern so vor sich hin und ich finde einfach keine Struktur. Wenn ich nicht zwischendurch arbeiten müsste oder die wöchentlichen LiLiGoesMental-Meetings nicht wären, wüsste ich nicht einmal, welcher Wochentag überhaupt ist. Vom Datum oder der Jahreszahl ganz zu schweigen. Als ich mich dazu entschied, zu Hause zu bleiben, dachte ich noch, dass es sich dabei um eine absehbare Zeitspanne halten würde. Ich rechnete mit ein bis zwei Monaten. Mittlerweile kann ich mir kaum noch vorstellen, wie mein Leben vorher war. Ich erinnere mich vage daran, dass ich mal ein Leben außerhalb des Hauses hatte. Und ich kann mir noch viel weniger vorstellen, wie mein Leben wieder sein wird, wenn ich das Haus wieder verlassen und mein altes Leben wieder aufnehmen kann, oder besser gesagt soll. Werde ich dann eine andere sein? Muss ich mir alles, was ich mir in den Monaten und Jahren vor Corona erarbeitet habe, neu erarbeiten? Ich möchte nicht wieder zurück zu meinem alten Ich, dass Angst hatte, zur Uni zu gehen. Ich möchte nicht wieder zurück zu meinem alten Ich, dass aus Angst vor dem Versagen nicht einmal angefangen hat, ihre Uniaufgaben zu erledigen. Und doch habe ich das Gefühl, dass der Kampf, den ich tagtäglich mit mir selbst gefochten habe, völlig umsonst war, und mich das alles um Monate, wenn nicht sogar Jahre zurückgeworfen hat.

Das will ich nicht! Ich will meine Fortschritte nicht aufgeben! Und so werde ich den Kampf aufnehmen und dafür sorgen, dass meine Jogginghose und meine Motivation und Produktivität sich nicht ausschließen! Ich werde berichten, wie sich dieses Vorhaben entwickelt. Immerhin habe ich es schon geschafft, wieder einen Blogpost zu schreiben. Das ist schon ein Schritt in die richtige Richtung, denn immerhin bin ich produktiv und motiviert, während ich meine Jogginghose trage 🙂

Stay@home, Wochen 2 & 3: Jenny

The last two weeks were difficult, and Corona had nothing to do with that. A lot has happened, some of it sad, some of it good, some of it funny, some of it stressful, and frankly more than should be able to happen in your life when you barely leave the house or interact with the world outside. But it served as a good reminder: life didn’t stop, or pause. It’s still happening, differently, and in some ways less visibly, but definitely still there. And it will continue to be around, regardless of how long the current shutdown lasts.

On some days I got everything done: I finished something for uni, cleaned the apartment, fixed the WLAN and got the scanner to work, went for a walk, cooked, baked, replied to mails, did the dishes and laundry… the day went past in a twelve-hour blur of productivity. Other days just sort of happened, without me doing much of anything. My activities started to get a bit restless and haphazard, with me prowling around the place looking for distraction. Which is how I ended up listening to some comedy Christmas music, and playing ping-pong against the wall for an hour while contemplating life, and ducks, and hyphenation. But that’s ok.

As an act of self-care I started making it a point after that to do more stuff without a clear purpose, without high expectations. Because now seemed like the time to combat my perfectionism. I started writing passages from Harry Potter into the shape of a four-leaf clover, but if I’m honest I’m still pedantic about that. So I got out an old Strickliesel I was given as a child. Every few years I pick this up and add a few centimetres. It’s still the same ball of wool I used originally, and that doesn’t seem to be getting any smaller. Just as well really, because I have no idea what to do with the final product. I make no plans for it. I don’t need it. I also practised juggling while hula hooping. And in spite of some slight improvements I continue to be bad at it. In fact I don’t mean to be good at it, much less perfect. I have no intention of jump-starting a belated career in the circus. I just want to be able to do it. Acquire a skill, be ok at it, and move on.

While focusing on such little things helps me, I still worry. About the state of the world at large, about the germs potentially around me, and about everything in between. I’ve started to avoid most of the news, I rarely turn on the radio or other news media. Instead I’ve made significant progress down my list of things to watch and read. I’ve seen some great movies, and some bad ones, and I’ve started (and stopped) watching about six or seven different shows. But I’m a bit more careful about what I watch in what mood. I normally don’t deviate much from my plans, but I don’t have to watch Les Misérables when I’m feeling melancholy and depressed. It’s perfectly ok to discard my plan – made in the morning when I was still cheerful – and instead rewatch Toy Story.

But it doesn’t quite distract me from sometimes missing things. I miss not having this thing to worry about in addition to everything else. I miss not being worried about encountering people on my walks. I miss not seeing people sewing masks for themselves. And even though I text with my friends, talk to them on the phone or via video chat, I miss actually being in the same room with them, face to face without being dependent on technology as an erratic and wilful mediator. I miss making eye contact without glances flicking in between someone’s eyes on the screen and the camera lens. But maybe that’s also a good thing, to notice what you miss I mean, even when it hurts. It can show us what we want to prioritise in the future, and it keeps us from getting too used to this new normal, from normalising the current state of exception, because much like the hectic buzz and the wastefulness of the world that was ‘normal’ before, this has to be temporary. It can’t go on indefinitely, something’s gotta give.

The plug in my sink has said ‘Keep Calm and Carry On’ for years I think, but this week was the first time I actually really noticed and read it. It’s normally rather more encouragement than I need while brushing my teeth or washing my hands, but right now it seems more fitting than ever. And there’s an obvious metaphor about things going down the drain, but I choose not to read it that way. 🙂

So carry on staying healthy and safe and @home,

Jenny

Stay @home, Woche 2 ½: Lea

So langsam kehrt wieder etwas ´Normalität´ bei mir ein. Ich konnte mich gewöhnen an stündliche Berichterstattungen, Absperrband und Trennwände überall und den wöchentlichen Tanz um andere Menschen herum im Supermarkt um den Mindestabstand einzuhalten. Und ich konnte reflektieren und mich mit meinen Gefühlen auseinander setzen: Von Weltschmerz, über Einsamkeit bis hin zu Hoffnung.

Auch wenn sich Tag für Tag, mehr und mehr, ein Gefühl der Normalität etabliert, so macht mir die aktuelle Situation doch zu schaffen; mal mehr, mal weniger. An manchen Tagen wache ich auf und würde am liebsten den ganzen Tag im Bett bleiben, denn verpassen tue ich ja eh nichts. Jeden Tag das Gleiche: vor dem Laptop sitzen, hoffen, dass sich das Word-Dokument von allein mit Worten füllt, feststellen, dass das nicht passieren wird. Zwischendurch den Nachrichten zuhören, dann versuchen, das 1000-Teil Puzzle aus Harry Potter Charakteren zu vervollständigen. Wenn ich es mir dann mit einem Kaffee in meinem Sessel gemütlich mache und Zeit habe nachzudenken, merke ich, dass ich eine gewisse Trauer verspüre. Trauer, meine Freunde schon viel zu lange nicht mehr umarmt zu haben, Trauer darüber, dass viele Verwandte und Bekannte nun vor großen finanziellen Sorgen stehen, Trauer um die Welt. Und abermals denke ich „Es reicht jetzt auch. Kann bitte wieder alles gut sein?“ Natürlich war vorher auch nicht alles gut, aber es war irgendwie normal. An manchen Tagen nistet sich dieser Weltschmerz beharrlich in meinem Kopf und Herzen ein und lähmt mich nahezu. Und ich denke, das ist okay. Diesen Schmerz und Kummer zu spüren und ihm Raum zu geben ist okay. Die Welt ist nun mal nicht mehr wie zuvor und warum sollte ich von mir selbst erwarten, das anteilslos anzunehmen? Ich versuche also mir Zeit zu geben, nehme noch einen Schluck von meinem Kaffee und mache mir klar, dass ich meine Gefühle nicht unterdrücken kann noch sollte.

Zu diesen Gefühlen gehört auch immer mal wieder die Einsamkeit. Ich komme gut damit klar, viel Zeit in meinen eigenen vier Wänden zu verbringen und mal länger mit niemandem zu quatschen, das konnte ich auch vor Covid-19 gut und gerne. Nach fast drei Wochen in denen ich meine Freunde nur mithilfe von Skype und Co. bestenfalls in 240p sehen kann, fühle ich mich aber dann und wann einsam. In der Uni konnte ich stundenlang mit Freunden bei Hasan sitzen, im Smiley-Gesicht meines Latte Macchiato löffeln und über alles Mögliche reden. So sehr ich auch gerne ungestört Zeit Zuhause verbringe, ich vermisse es meine Freunde zu umarmen, ihnen beim Reden in die Augen schauen zu können. Und manchmal reicht die Vorfreude auf den Moment, in dem das wieder möglich ist, nicht dafür aus, dass ich mich besser fühle. Fast schon ironischerweise sind dies dann auch genau die Momente, in denen ich merke, dass ich mich zwar manchmal einsam fühlen mag, ich aber keineswegs allein bin. Denn eine WhatsApp-Nachricht später haben mich meine Freunde zum Lachen gebracht und erzählen mir von ihrem Tag. Täglich schreiben wir miteinander und mehrere Male in der Woche quatschen wir über Skype oder probieren zusammen ein ulkiges Online Game aus. Wir haben aktuell mehr Kontakt zu einander als vor Covid-19 und das schätze ich über alle Maße. Mit einem aufrichtigen „Wie geht es Dir heute?“ oder „Was können wir tun, damit Du Dich besser fühlst?“ sind wir füreinander da, denn wir sind alle in der gleichen Situation. Wir alle sitzen zuhause und freuen uns auf den Moment, in dem wir wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen und solange versuchen wir das beste aus der Situation zu machen.

Neben dem Weltschmerz und der Einsamkeit, die ich an manchen Tagen verspüre, fühle ich mich auch hoffnungsvoll. Für mich schließen sich diese Emotionen nicht gegenseitig aus und auch sind sie mehr als das genaue Gegenteil von einander. Ich fühle Kummer um die aktuelle Lage auf der Welt, ich vermisse meine Freunde und ich habe Hoffnung, dass sich die Dinge ändern werden. Ob ins positive oder negative kann ich natürlich nicht sagen, aber das Schöne an Hoffnung ist ja, dass sie bedingungslos ist. Ich kann hoffen, dass sich die Situation verbessert und das tue ich auch, ganz unabhängig davon, ob das passieren wird oder nicht. Vielleicht ist Hoffen ein bisschen wie Vorfreude. Ich habe mich wahnsinnig auf meine Reise nach London Ende Mai gefreut, die jetzt abgesagt wurde. Vorfreude habe ich dennoch gespürt und diese verfliegt auch nicht dadurch, dass ich nun nicht mehr fliege. Ähnlich kann ich nun hoffen, dass die Dinge besser werden, denn das hilft mir, das Bett dann doch zu verlassen und mich besser zu fühlen, unabhängig davon, ob meine Hoffnung wahr wird.

Ich befürchte allerdings, dass alle Hoffnung der Welt nicht dazu führt, dass sich mein Word Dokument auf magische Weise von alleine mit Worten füllt. Rückblickend auf meinen vorangegangen Blogpost kann ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass ich in der letzten Woche nicht allzu viele meiner To-Dos abhaken konnte. Vielleicht muss ich einfach stärker hoffen. 😉

Bis dahin, stay safe and @home

Lea

Stay@home, Woche 2: Maren

Die zweite Woche in meiner selbst gewählten Quarantäne ist nun fast vorbei. Es scheint, als würde die Zeit still stehen, aber sie tut es nicht. Anfang der Woche dann die allgemeine Kontaktsperre. Auch wenn ich bereits eine Woche ohne persönliche Kontakte hinter mir hatte ohne das Gefühl, eingeschränkt zu sein, machte mir diese verordnete Kontaktsperre Angst. Was genau bedeutet das nun? Wie lange wird das Ganze noch andauern? Werde ich die nächsten Wochen und Monate meine Freunde nicht sehen können? Was ist mit den Festivals und Märkten, die anstehen? Gefühlt ist das Jahr 2020 jetzt schon gelaufen, bevor es überhaupt richtig angefangen hat. Auch die Uni geht in den Notbetrieb. Am liebsten würde ich mich den ganzen Tag ins Bett legen, mir die Decke über den Kopf ziehen und in eine Schockstarre verfallen, bis alles vorbei ist. Aber die Welt steht nicht still, und so kann auch meine eigene Welt nicht still stehen. Ich brauche neue Routinen, um mir selbst das Gefühl zu geben, in einer Zeit der Unsicherheit wenigstens ein wenig die Kontrolle zu behalten. Wenigstens mein eigenes Leben weiter bestimmen zu können und mich nicht eingeschränkt zu fühlen. Und ja, auch wenn das alles gleich sehr positiv klingt, das Etablieren neuer Routinen braucht Zeit. Und natürlich gab es Fehlschläge und es wird sie immer geben. Aber das stört mich nicht. Stattdessen lerne ich aus diesen „Fehlschlägen“ und akzeptiere sie. Denn wenn etwas einmal nicht so funktioniert, wie es funktionieren sollte, wollte mein Unterbewusstsein mir wahrscheinlich mitteilen, dass ich an diesem Tag einfach Ruhe und Zeit brauchte. Und wenn ich den ganzen Tag mit meiner Lieblingsserie verbringe oder meine Kutte für die Festivals nähe, dann ist das gut so, weil es für mich gut ist. Ich brauche dann kein schlechtes Gewissen haben, weil ich nicht an meiner Hausarbeit geschrieben habe. Ich habe etwas für mich und mein Wohlergehen getan und das ist viel wichtiger, als weitere 200 Wörter, die am Ende noch großer Blödsinn sind.

Wie in meinem letzten Beitrag versprochen, schreibe ich heute etwas zu meinen neuen Routinen, die mir diese Woche weitestgehend geholfen haben.

Routine 1: Keinen Wecker stellen

Wecker und ich waren noch nie die besten Freunde. Wir führen eher eine Hassliebe. Mein bester Freund ist die Snooze-Taste, die im Halbschlaf gedrückt einem noch fünf Minuten gewährt. Dieses Spiel wiederholt sich des Morgens zwischen 5 und 25 Mal. Der Wecker setzt mich unter Druck, die Snooze-Taste vermittelt das Gefühl von trügerischer Sicherheit. Dennoch brauche ich den Wecker, wenn ich Termine habe. Ich habe derzeit aber vormittags keine Termine, also warum sollte ich mich dann von einem Wecker unter Druck setzen lassen? Und siehe da, ich schaffe es, früher aufzustehen, als ich dachte. Vielleicht sollte ich immer auf den Wecker verzichten?

Routine 2: Morgenroutine

Wie oft habe ich dieses Wort in der letzten Zeit auf den verschiedensten Social-Media-Kanälen gelesen… Und jedes Mal, wenn ich mir dann anschaue, was andere Seiten mir empfehlen, wird mir das Gefühl vermittelt, dass meine Routine falsch ist. Ich starte nicht jeden Tag mit einem Lächeln, stattdessen laufe ich morgenmuffelig durch die Wohnung auf der Suche nach Kaffee. Ich fange nicht mit einem guten und gesunden Frühstück an, stattdessen setze ich mich mit meinem Kaffee auf den Balkon und versuche, auf mein Leben klarzukommen. Nach dem Frühstück, in meinem Fall Kaffee, mache ich keinen Sport. Stattdessen mache ich mein Bett, das ist schon Kraftakt genug, wenn man es ordentlich macht. Danach noch das Zimmer aufräumen und ab ins Bad, um mich für den Tag zurecht zu machen. Und ich stelle fest: Eine richtige Hose und ein bisschen Make-up helfen mir, mich auf die Arbeit vorzubereiten. Anschließend mache ich mir jeden Morgen das gleiche Lied an, um mich auf die Arbeit einzustimmen(Carry on Wayward Son ist einfach ein guter Song, den kann ich nicht oft genug hören). Während das Lied läuft, richte ich mein Home Office ein, schreibe mir die Aufgaben in mein Journal (und hole mir meistens noch einen Kaffee, denn ganz wach bin ich noch nicht). Dann noch ein bisschen durch das Zimmer tanzen, wenn mir danach ist, und schon kann der Tag losgehen.

Routine 3: Kleine Ziele setzen

Jeder von uns kennt das: Nach der Morgenroutine sitzen wir am Schreibtisch und wollen voller Tatendrang an unseren Aufgaben arbeiten. Und… Joa… Da sitzt man nun am Schreibtisch… Joa… Hmm… Vielleicht sollte ich noch einmal die Mails checken? … Wie zu erwarten, nichts Neues… Okay… Jetzt fange ich an zu arbeiten… Ich starre nicht einfach nur die leere Seite an… Ich bin jetzt produktiv… Okay… Aber jetzt… Grillenzirpen…

Anstatt des erwünschten Schreibflusses habe ich am Ende gar nichts geschafft und fühle mich einfach nur mies. Ich habe also angefangen, mir ganz, ganz kleine Ziele zu setzen. Statt darauf zu hoffen, dass ich 4000 Wörter am Stück schreibe, schreibe ich lieber nur 100-200 Wörter. Oder ich nehme mir vor, ein Kapitel zu lesen anstelle des gesamten Buches. So generiere ich für mich viel schneller und einfacher Erfolgserlebnisse, die ich abhaken kann. Und je kleiner das Tagesziel, desto schneller kann ich es erreichen und mich wieder meiner Serie oder meiner Kutte widmen.

Und nun zu meinen Fehlschlägen:

Es war eindeutig nicht meine beste Idee, als ich versuchte, mich am Dienstag mit nur einer Folge und nur einem Patch zu belohnen, bevor ich überhaupt angefangen hatte, etwas zu tun. Am Ende hatte ich erfolgreich 5 Patches auf meiner Kutte und die halbe Staffel meiner Serie durch. Immerhin habe ich notgedrungen noch Wäsche gewaschen, aber für die Uni habe ich am Ende des Tages nichts gemacht. Aber das ist für mich vollkommen okay. Ich habe daraus gelernt, wie wichtig mir meine persönliche Morgenroutine ist. Und ich habe gelernt, dass sich Kutten nur mit Blut, Schweiß und Tränen am besten nähen lassen. Die Erkenntnisse haben gereicht, um kein schlechtes Gewissen zu haben 🙂

Mal schauen, ob diese Routinen mir nächste Woche auch noch helfen, oder ob ich da andere brauche. Ich werde euch berichten 🙂

Bis dahin, bleibt gesund 🙂

Maren

Stay@home, Woche 1 : Lea

Jetzt ist (erst mal) alles anders, alles muss neu strukturiert werden, neue Routinen geschaffen werden. Die Ausbreitung des Corana-Virus heißt für mich ganz konkret, zu lernen, dass ich nicht weiß, was in 2 Wochen ist, oder gar in 2 Monaten. Und gewöhnlich, ist es das, was ich gut kann und was ich in meinem Alltag brauche: Dinge planen. Sein dies nun Veranstaltungen für LiLiGoesMental, Treffen mit Freunden oder das nächste Schreibprojekt. Ich plane und organisiere, schreibe Daten und Termine in mein Bullet Journal und bereite mich auf Kommendes vor. Tja, und nun? So wirklich weiß im Moment niemand, was die nächsten Wochen bringen werden und das führt dazu, dass mein Körper aktuell unter Dauer-Stress steht. Jetzt muss ich mich erst mal mit dem Gedanken anfreunden, dass ich vieles nur noch sehr kurzfristig planen und entscheiden kann. Die fehlende Selbstwirksamkeit macht mir im Moment am meisten zu schaffen; ich selbst kann nicht mehr frei entscheiden, wie ich meine Zeit verbringe. Geliebte Menschen auf einen Kaffee in der Uni treffen ist nicht mehr möglich, genauso wenig das sonntägliche Kuchen-Essen mit meinen Großeltern. Stattdessen sitze ich nun vor meinem Laptop und hoffe, dass die Internetverbindung für ein Skype-Gespräch mit meinen Freunden ausreicht.

Nach der ersten Woche, in der vieles neu und anders war, merke ich so langsam, was ich jetzt am meisten brauche: das Gefühl, dass es noch Dinge gibt, die ich kontrollieren kann.  Und die Erkenntnis, dass Home-Office und zu Hause sein nicht heißt, dass ich nun 100mal produktiver sein muss und kann als zuvor.

Eine Sache, die ich beeinflussen kann, ist mein Medien-Konsum. Und ich meine hier nicht in erster Linie, wie viele Staffel meiner Lieblingsserie ich auf Netflix bingewatche. Instagram, Twitter und Facebook lassen sich alle innerhalb von 2 Sekunden auf meinem Handy finden und öffnen und zack, schon springt mir die erste Eilmeldung oder Nachricht der Tagesschau ins Auge. Zwischen neuen Statistiken zur Ausbreitung des Virus, Ratschlägen von Ärzten und allzu oft auch Menschen, die eindeutig nicht qualifiziert sind, solche Ratschläge zu erteilen, komme ich kaum dazu durchzuatmen. Einerseits ist es schön, dass ich mich jederzeit auf den aktuellsten Stand zur Krise bringen kann, andererseits heißt dies für mich nun auch: nur weil ich es kann, heißt das nicht, dass ich es sollte. Mir tut es eindeutig nicht gut im Sekundentakt mit News konfrontiert zu werden und es liegt an mir, das Handy wegzulegen und stattdessen zu lesen, puzzeln, schlafen oder Critical Role zu schauen. Und wenn ich das Gefühl habe, dass ich neue Informationen brauche, weiß ich, wo ich sie finden kann.

So offensichtlich es auch klingt, eine andere Sache, die ich kontrollieren kann, ist wie ich meinen Tag verbringe und wann ich welche Aufgabe erledige. Das ist oft nicht der Fall, wenn ich in der Uni bin, denn dort fällt es mir häufig schwer, abzuschalten. Kaum ist die eine Mail beantwortet, kommen die nächsten drei ins Postfach, welche ich dann schnell zwischen meinen Kursen und diversen hochschulpolitischen Treffen beantworte. Wenn ich morgens in der Uni ankomme, weiß ich nie genau, welche Termine und Aufgaben sich für den Tag noch ergeben werden, denn die kommen oft ganz spontan und verlangen dennoch meine volle Aufmerksamkeit. Jetzt im Home-Office kann ich wesentlich besser kontrollieren, welchen TOP meiner To-Do Liste ich wann bearbeite. Mails muss ich nicht sofort beantworten, denn ich habe die Gewissheit, dass ich auch später am Tag oder morgen noch dafür Zeit habe. Ich kann immer noch Pläne erstellen für baldige Abgaben und versuchen mich dran zu halten. Ich kann Termine vereinbaren und in mein Bullet Journal schreiben für Skype-Verabredungen mit meinen Freunden. Und wenn mir das alles nicht genug ist, kann ich sogar feste Zeit planen, in denen ich einen Mittagsschlaf mache.

Wenn dann aus diesem Mittagsschlaf ein ganzer Tag auf dem Sofa wird an dem ich nichts mache, außer Sims zu spielen und mit meinen Freunden zu schreiben, muss ich nun auch lernen, mich deswegen abends nicht schlecht und schuldig zu fühlen.  Denn ebenso wie ich gemerkt habe, dass ich es mir nicht gut tut, ständig neue Meldungen über Social Media zu bekommen, hilft es mir nicht, mich durch Instagram und Co. mit anderen zu vergleichen. Andere, die in meinen Augen wesentlich produktiver sind. In der ersten Woche im Home-Office sind die meisten meiner To-Dos unerledigt geblieben und trotzdem noch neue dazugekommen. Aktuell kann ich nicht sagen, wie die nächste Woche wird; ob mir mein neuer Alltag den Mindset ermöglicht, konzentriert an meinen Aufgaben zu arbeiten, oder ob ich einfach noch länger brauche mich umzugewöhnen. Wie bei vielen Dingen, gibt es auch in dieser Hinsicht keinen Weg, der für alle gleich gut funktioniert oder richtig ist. Ich bin momentan noch dabei, herauszufinden, wie mein Alltag und neue Routinen aussehen müssen, damit ich in einem gewissen Maße produktiv sein kann und es mir dabei mental und körperlich gut geht. Zum Glück habe ich ja nun etwas Zeit, das zu lernen.

Bis dahin, stay safe and @home

Lea

Stay@home, Woche 1: Maren

Seit einer Woche herrscht das Chaos… Uni dicht. Geschäfte schließen. Überall hört, liest und sieht man Meldungen über Corona. Vor zwei, drei Wochen noch hat sich kaum einer von uns Gedanken darüber gemacht. „Wird schon nicht schlimmer sein als die alljährliche Grippewelle.“ Diesen Gedanken hatte auch ich. Und dann kamen die Meldungen über die Schul-und Universitätsschließungen letzte Woche Freitag.

Ich hatte tausende Fragen in meinen Kopf: Wie mache ich das jetzt mit meiner Hausarbeit? Kann ich die überhaupt vernünftig schreiben? Wie sieht das aus mit den Veranstaltungen im nächsten Semester? Fragen über Fragen und ich habe bis heute keine Antwort. Diese Unsicherheit machte und macht mir Angst. „Aber immerhin“, so dachte ich, „kann ich noch arbeiten gehen. Dann ist wenigstens das Geld gesichert. Die Sachen mit der Uni werden sich schon nach und nach klären.“ Und dann kam der Sonntag. Die Landesregierung NRW beschloss, dass ab Dienstag auch alle anderen Bildungseinrichtungen vorerst schließen müssen. Für mich, die in einem Nachhilfeinstitut arbeitet, eine Katastrophe. Ohne Nachhilfe kein Geld. Wie soll ich über die nächsten Monate kommen, wenn ich kein Geld verdienen kann? Die Unsicherheit und die Panik, die mich über das Wochenende überkam, erreichte ihren Höhepunkt. Wie soll ich das die nächsten Wochen schaffen? Darf ich meine Eltern und meine Großmutter überhaupt noch sehen? Wie viel Sozialkontakt ist möglich? Kann ich mein gesamtes Leben vollkommen umkrempeln? Nicht mehr nach draußen gehen? Nicht mehr zur Uni? Nicht mehr arbeiten?

Ich entschied mich, dass ich die nächsten Wochen primär bei meinem Partner verbringen werde. Ich, allein in meiner Wohnung, kam für mich nicht infrage. Ich habe zu viel Angst davor, dass mich die soziale Isolation in ein tiefes Loch fallen lässt, aus dem ich nur mit Mühe wieder herauskomme. Also packte ich meinen Koffer.

Seit Dienstag bin ich nun in meiner selbst auferlegten Quarantäne. Nicht für mich, sondern um andere zu schützen. Und ich musste schauen, wie ich mich in meiner jetzigen Situation zurecht finde.

Step 1) Home Office einrichten

Da ich jetzt nicht mehr in der Uni arbeiten kann, brauchte ich also ein Home Office. Ein kleiner Tisch, alle Bücher drauf, Laptop, Tablet und sonstiges Equipment wie Headset und Webcam, Stifte und Papier und schon kann es los gehen. Und der Vorteil am Home Office: Ich kann an den Büchern sitzen und trotzdem Kaffee trinken. Diesen Luxus habe ich in der Bibliothek nicht. Warum wollte ich eigentlich immer in der Bibliothek lernen? Um die Ablenkung zu vermeiden – ja Netflix und Co. sind spannend – habe ich angefangen, meine produktive Phase immer mit ein und demselben Lied einzuläuten.

Step 2) Kommunikationswege schaffen

Ich hatte vor kaum einer Sache mehr Angst als vor der sozialen Isolation. Also wollte ich über die verschiedensten Kanäle erreichbar sein Ich glaube, ich hatte noch nie so viele Kanäle zur Interaktion wie jetzt und bin derzeit noch völlig überfordert, wie viele Möglichkeiten einem das Internet eigentlich bietet. Und muss auch noch lernen, wie ich damit am besten umgehe, dass ich nicht von meiner eigentlichen Arbeit abgelenkt werde 😀

Step 3) Neue Routinen.

Ich bin ein Mensch, der ganz viele Routinen braucht. Bricht bei mir eine Routine weg, stehe ich da wie Bambi, das von einem Auto mit Fernlicht angestrahlt wird. Ich weiß weder vor noch zurück und verfalle in Schockstarre. Jetzt sind alle meine Routinen auf einmal weggebrochen und ich würde mich am liebsten in meinem Bett verkriechen. Schockstarre erscheint mir in dieser Situation aber kein gangbarer Weg, also blieb mir nur der Angriff. Ich fange also gerade an, neue Routinen zu etablieren.

Step 4) Ziele und To-do-Listen

Ich persönlich bin ein großer Freund des Bullet Journalings. Ohne meinen kleinen Helfer ginge in meinem Leben gar nichts. Und gerade für die jetzige Situation ist mein kleiner Freund der Helfer in der Not. Jeden Abend lege ich mir meine To-do’s und Ziele für den nächsten Tag fest und seien sie noch so klein. Wenn ich sonst fast eine Seite pro Tag an To-do’s erledigen musste, sind es jetzt weniger. Die Hauptsache ist, dass ich was zu tun habe. Übrigens steht jetzt in meiner To-do-Liste auch so etwas wie Serie schauen, warum auch nicht, ich habe Zeit 🙂

Step 5) Die Chance der Zeit erkennen

Wie lange habe ich viele Dinge aufgeschoben, weil ich keine Zeit dafür hatte. Es kam immer was wichtigeres dazwischen. Aber jetzt habe ich auf einmal ganz viel Zeit, die ich auch für schöne Dinge nutzen kann. Ich habe also eine Liste angelegt: „Endlich Zeit für…“ Ich machte mir Gedanken, was ich schon lange machen wollte, und schrieb das auf. Siehe da, auf einmal standen da an die zehn Kreativprojekte, für die ich einfach nie die Zeit und Ruhe hatte. Und jeden Tag kommen mir neue Dinge in den Sinn. Also langweilen werde ich mich in den nächsten Wochen bestimmt nicht.

Um das alles einzurichten und mir zu überlegen, wie ich die nächste Zeit überstehe, habe ich jetzt ungefähr eine Woche gebraucht. Jetzt muss ich noch schauen, wie das alles funktioniert und welche Routinen ich etablieren muss und werde, damit das funktioniert. Ich halte euch auf dem Laufenden und werde nächste Woche meine neuen Routinen – und meine Fehlschläge – mit euch teilen.

Bis dahin, bleibt gesund und stay@home!

Maren

Stay@home, Woche 1: Jenny

I see so many posts about activities for the quarantine life. People finally read and watch the books and series that have been piling up, they clean, tidy up and organise their stuff, declutter their wardrobes, cook and bake, start artsy projects… I look around my apartment. I can’t find anything in urgent need of cleaning. I’ve just tidied up, and there isn’t a single item left I could get rid of. I’ve already made significant progress with my lists of things to read and watch.

Lego Hogwarts has just been entirely assembled and disassembled again. A number of my recent drawings now decorate the wall. Beep – the apple muffins are ready. Wherever I look, it’s ‘been there, done that’. But wait… it’s only been a few days of Corona. I realise I’ve already been living like this for the last couple of months, and not for the first time. I’m entirely used to this. This feels familiar. Structuring my day, being left to my own devices, a bit cut off from the world outside, carefully regulating how much news and external panic I consume, getting things done or just killing time, daydreaming, wondering about the meaning of life, keeping myself busy with few or no appointments. This is what I know, what I have already learned. This is something I can handle.

But people are afraid. People are dying, suffering, grieving, worrying. The news and social media are in overdrive, there is panic everywhere. And like most of us, I worry about friends and family who are at risk. I worry about myself. I worry about the future. I worry about the availability of water, food, and other necessities. So this doesn’t seem like a good environment for me and my anxiety disorder. Except in some way, it is. I worry, all the time, and about most things. I am often afraid. Sometimes there are weeks at a time where every appointment feels like an exam, every day like the world – my world – might end. But normally, the world is normal, disconnected from me in its carefree buzz of existence, with people going about their daily lives and routines while I feel like I’m in a perpetual state of exception, trying but unable to keep up with the world around me. Now the world finally matches my mental state. I hate this situation, but I also find it strangely comforting. I notice that I really needed the world to stand still for a bit, to not even have those few appointments I still managed for the last couple of months during which I struggled with physical health issues on top of my anxiety. Now I have time to breathe, to recover properly rather than just try to hang on, squeezing the experiments of what food my body might still tolerate in between days at uni. I even managed to get some work done at home for what feels like the first time in a while.

I am aware that I am relatively privileged with regard to this pandemic. I have the resources that I need and I can rely on the people around me, both in person and via electronic channels of communication. I don’t feel isolated. My existence is not threatened, nor does it feel threatened more than usual. The pandemic has had a reasonably small effect on my daily life, even forced upon me some much needed quiet. In the same way that this feels like a chance for me, it might also be one for the world at large. The daily lives of so many have been impacted by one thing, the habits of so many are forced to change at the same time, in small and in not-so-small ways. This can be a huge chance to establish healthier, more mindful ways of living, personal and public practices of care and social responsibility among all sorts of different people. A chance to improve health care systems, establish new measures that safeguard everyone’s livelihoods, foster global cooperation without capitalist interests. Being forced to pause and reconsider, being faced with the consequences of our way of life, we might realise that we want to change what we prioritise in the future – human connection, the environment, sustainability, equality, things that might be beneficial for all of us in the long run.

I realise that this is incredibly (and, for me, uncharacteristically) optimistic. The only thing safe to say right now is that there will be effects, multiple and varied, on most areas of life. Think about how 9/11 influenced our world – from international politics to travel and safety regulations to academic thought to what we personally expect the world and the future to be like. It makes sense to distinguish between pre- and post-9/11 in many fields and genres. We will be researching this, thinking, talking, reading, and writing about this for years to come. But while this crisis has made global catastrophes and apocalyptic scenarios imaginable, it has also made a variety of positive responses imaginable – in fact it has made some of them real already. And the mere fact that I am sitting at home right now, thinking about the possible positive outcomes and the productive potential of this, gives me hope. Because actively guiding my thought processes and imagining the future in positive, hopeful terms – be it in my head or in conversation, in a journal or on our blog – is certainly a new habit for me, one that I value, that contributes to my well-being, that motivates me to act, and that I intend to continue to practise and keep alive beyond this virus.

Jenny